Mein Opa Albrecht wurde von seinen Erinnerungen verfolgt. Er floh vor ihnen, aber sie ließen ihm keine Chance. Fanden ihn überall, holten ihn ein, jede Nacht. Meine Oma Grete soll morgens immer ihren Kindern erzählt haben: „Albrecht war letzte Nacht wieder im Krieg.“ Er war in Russland gewesen, hatte als Offizier dort den Bau von Brücken beaufsichtigt, und noch Jahrzehnte später schlugen seine Träume jede Nacht die Brücke in die Vergangenheit.
Von Beruf war er Müller, betrieb nach dem Krieg eine Pachtmühle und geriet durch einen Unfall seines Lastwagens in große Geldsorgen. Anfang der Fünfziger Jahre erhielt er das lukrative Angebot, Offizier in der neu gegründeten Bundeswehr zu werden und damit für sich und seine Familie ein gutes Auskommen zu haben. Er lehnte ab. Vielleicht weil er nicht noch mehr Brücken in die Vergangenheit brauchte.
Kurz nach meinem ersten Geburtstag starb er – mit erst neunundfünfzig Jahren. Vermutlich wird man nicht alt, wenn man jede Nacht im Krieg verbringt.
Mein Opa Albrecht sprach nicht über das, was er als Soldat in Russland erlebt hatte, das machte er jede Nacht mit sich selbst aus. Nur von einem Erlebnis erzählte er seinen Kindern immer und immer wieder.
Einmal wurde er bei Kämpfen auf dem Feld angeschossen. Er lag auf der Erde mit großen Schmerzen, seine Truppe war auf dem Rückzug und hatte ihn hier liegen lassen, vielleicht hatten sie ihn schon für tot gehalten oder vergessen. Auch die Russen waren nicht mehr zu sehen, und so lag er auf dem Feld, spürte den pochenden Schmerz, die kalte Erde unter sich und überlegte, wie lange es wohl dauerte, bis der Tod ihn holte. Er verlor die Zeit, die Kraft, die Orientierung.
Die russische Frau, die ihn fand, hielt er zuerst für einen Engel. Später konnte er sich nicht mehr erinnern, wie sie es geschafft hatte, ihn in ihr Haus zu bringen. Als er aufwachte, lag er in einem fremden Bett in einem ärmlichen Zimmer. So einfach und schmutzig stellte er sich die Behausungen von Fabrikarbeitern im vorigen Jahrhundert vor. Aber hinter dem Vorhang im Türrahmen des kargen Zimmers kam immer wieder die fremde Frau zum Vorschein. Sie wechselte die Verbände seiner Schusswunde, flößte ihm kräftigende Suppe ein, sprach Worte, die er nicht verstand, aber die beruhigend klangen, und sie hatte einen warmen Blick und ein sanftes Lächeln. Er wusste, wie gefährlich es für die Frau war, ihm zu helfen. Und er wusste nicht, warum sie das tat. Aber ihm wurde klar, dass er ohne sie nicht überlebt hätte.
Mitten in diesem großen schrecklichen Krieg schlossen zwei Menschen Frieden in einem ärmlichen Haus. Sie erkannten in einer Zeit der Propaganda den Feind als Ebenbild, als Mensch, als Freund. Es war ein leiser Frieden ohne Worte und zu klein, um das Weltgeschehen beeinflussen zu können, meinen Opa Albrecht prägte dieses Erlebnis jedoch.
Er blieb bei der Frau, bis er die Kraft hatte, aufzustehen und zu gehen. Dann schleppte er sich zu seiner Truppe zurück, an seinem Körper die heilende Wunde, aber in seinem Herzen die Wärme dieser russischen Frau.
Ob er nach diesem Erlebnis in Gewissenskonflikte geriet, erzählte er seinen Kindern nicht. Was blieb, war die Geschichte der russischen Frau, die beengt in sehr einfachen Verhältnissen lebte, aber so ein großes Herz hatte, dass sogar für einen feindlichen Soldaten darin Platz war.
Diese wahre, mündlich überlieferte Geschichte stammt aus dem Flüchtlingsroman »Die UnWillkommenen« von Marina Jenkner, veröffentlicht 2019 im Größenwahn Verlag.
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Samstag, den 5.4.26 sind Tausende Jugendliche in Kuba zum Jahrestag der Gründung der Organización de Pioneros José Martí (OPJM) und des Jugendverbandes der KP, der Unión de Jóvenes Comunistas (UJC), auf die Straße gegangen. Bereits am Donnerstag der vergangenen Woche sind tausende junge Kubaner:innen dem Aufruf des UJC zu einem Protestmarsch gegen die Blockadepolitik der USA gefolgt. Der Demonstrationszug endete vor der US-Botschaft in der kubanischen Hauptstadt. amerika21
Das Netzwerk No Kings meldet Aktionen in allen 50 Bundesstaaten. Organisatoren sprechen von acht Millionen Teilnehmenden. Amerika 21

Brasilianische Gewerkschaften und soziale Bewegungen erhöhen den Druck, Treibstoff nach Kuba zu liefern. Mit dem Start der Kampagne "Öl für Kuba" haben sich die solidarischen Kräfte gebündelt. Amerika 21
Die kubanische Gesellschaft ist geschockt über den Angriff des US-Militärs. Bereits nach ersten Analysen kubanischer Sicherheitsexperten wurde klar, dass die als "Staatsterror" eingestufte Militäraktion von den US-Spezialeinheiten durch den Zusammenbruch der Verteidigungs-, Geheimdienst- und Spionageabwehr-struktur Venezuelas ermöglicht wurde. Kubanische Beobachter vermuten einen Verrat. ....Amerika21
Die Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V. in Tübingen hat eine Handlungshilfe für Betriebsräte und gewerkschaftliche Vertrauensleute veröffentlicht:

„Wenn einer mit Vergnügen in Reih und Glied zu einer Musik marschieren kann, dann verachte ich ihn schon. Er hat sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde. Diesen Schandfleck der Zivilisation sollte man so schnell wie möglich zum Verschwinden bringen. Heldentum auf Kommando, sinnlose Gewalttat und die leidige Vaterländerei, wie glühend hasse ich sie, wie gemein und verächtlich scheint mir der Krieg …“.
Kriegsmüde – das ist das dümmste von allen Worten, die die Zeit hat. Kriegsmüde sein das heißt, müde sein des Mordes, müde des Raubes, müde der Dummheit, müde des Hungers, müde der Krankheit, müde des Schmutzes, müde des Chaos… Kriegsmüde hat man immer zu sein, d.h. nicht nachdem, sondern ehe man einen Krieg begonnen hat. Aus Kriegsmüdigkeit werde der Krieg nicht beendet, sondern unterlassen…
Karl Kraus, 1918
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