Ein kleines Experiment mit der Rede der Dame Fahimi, alias der DGB-Vorsitzenden Yasmin Fahimi
Veröffentlicht am 14/05/2026 von Gast Autor — Keine Kommentare ↓
Von Alwin Altenwald
Laßt euch mal auf ein kleines Experiment ein. Hört euch die Rede von Frau Fahimi an und lauscht ihr, ohne im Kopf zu haben, daß es die DGB-Vorsitzende ist, die da spricht! Mir ging es dabei so: Da spricht eine gebildete und gut informierte Dame aus dem Bürgertum, die sich Sorgen macht um Gesellschaft und Wirtschaft und dabei auch die Lohnabhängigen im Blick hat. Und obwohl sie zur Elite gehört mit dem Vielfachen des Einkommens und Vermögens dieser Lohnabhängigen übt sie deftige Kritik an anderen aus der Elite, die nicht so sozial eingestellt sind wie sie.
Mit ihnen geht sie hart ins Gericht:
„Das Prinzip der schamlosen Selbstbereicherung der Eliten wird mit mafiaähnlichen Methoden
durchgesetzt. Einschüchterung, Rufmord und Diffamierung, Korruption und Vetternwirtschaft sind an der Tagesordnung. Es geht um Machtkonzentration und Selbstbereicherung durch Einschüchterung, Desinformation und politischen Druck.“
„Da mobilisieren aber einige im Bundestag gegen die Gesetzliche Rente. Man solle doch lieber privat vorsorgen. Ja, wovon denn?! Die nennen sich Junge Gruppe. Und fast keiner von denen hat jemals in die Rente eingezahlt. Tun aber so, als wären sie die Stimme der jungen Generation.“
Sie macht sich Sorgen um den Sozialstaat und die Soziale Marktwirtschaft:
„Eine Soziale Marktwirtschaft nach unseren Vorstellungen sorgt für eine echte Machtbalance zwischen Arbeit und Kapital, sorgt für sozialen Ausgleich und Chancengleichheit. Spitzenleistung gibt es nicht zu chinesischen Löhnen, nicht zu pakistanischen Arbeitsbedingungen, nicht zu amerikanischem Hire-and-Fire, und nicht zu russischer Rechtlosigkeit.“
„Stattdessen gefallen sich gegenwärtig Arbeitgeber und Politik in übler Sozialabbau-Rhetorik.
Groß seien Reformen, wenn sie möglichst schmerzhaft für die meisten sind. Wer von einem
überbordenden Sozialstaat redet, verbreitet schlicht und ergreifend die Unwahrheit.“
„Deshalb werden wir auch weiterhin mit Macht und guten Argumenten all jenen entgegentreten, die uns den Abbau des Sozialstaats fälschlicherweise als tragfähiges Zukunftskonzept verkaufen wollen. Wenn dann beispielsweise ausgerechnet im Bildungswesen der Investitionsstau ein Rekordniveau erreicht, dann trifft das eine Gesellschaft ins Mark: Weniger aufgeklärte, selbstbewusste und reflektierte Menschen, weniger Selbstbestimmung und Chancengleichheit, weniger Berufschancen, weniger Förderung von Talenten. Und ja, lasst es mich einfach mal so zusammenfassen: weniger Glück!“
Und obwohl sie mit den Eliten bei den Arbeitgebern und des Staates hart ins Gericht gegangen ist, zeigt sie sich versöhnlich:
„Wir … sind in der Lage, mit vernünftigen Kräften in Wirtschaft und Politik ein Bündnis für sozialen Fortschritt, wirtschaftlichen Aufschwung und Innovation zu initiieren und einzugehen.
Wir bieten an, gemeinsam mit aufgeklärten Kräften, unsere demokratische Identität und unser eigenständiges Modell wirtschaftlicher Entwicklung, im Geiste sozialer Verantwortung, zu verteidigen und fortzuschreiben. Wir wollen deutsche und europäische Selbstbehauptung in einer erneuerten Kultur der Gemeinsamkeit und des Miteinanders.“
„Wir brauchen Arbeitgeber, die sich klar und langfristig zum Standort Deutschland bekennen.
Die in unserem Land investieren und ihre Strategien auf Zukunftsfelder ausrichten. Die mit Innovationen Arbeitsplätze sichern, etwa in der Künstlichen Intelligenz, in der Batterieproduktion oder in der Medizintechnik.
Der Staat sollte jetzt für eine sozial gerechte Entlastung der großen Mehrheit sorgen. Vielleicht auch durch eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel – am besten runter auf null Prozent. Das würde gerade den Familien mit kleineren Einkommen sofort helfen.“
Und sie trifft mit ihrer Philippika auf die Eliten, ihre Sorgen um den Sozialstaat und mit ihrem Gerechtigkeitssinn die Stimmung ihrer 400 ZuhörerInnen!
Nachdem ich mir die Rede von Frau Fahimi angehört habe, bin ich sehr angetan! Eine Frau, selbst zur Elite gehörend, mit einem Vermögen und Einkommen, das mit einem Vielfachen über dem liegt, was die Lohnabhängigen, Rentner und Jugendlichen haben, für die sie sich so vehement einsetzt!
An wen wurde ich immer erinnert, je länger ich der Rede lauschte? An die vorbildlichen Frauen, für die von der Werbe-Firma Stroer in den U-Bahnhöfen und Bushaltestellen Werbung gemacht werden weil sie sich bei den Tafeln engagieren!
Und nun schalte ich um, vom verbehaltlosen Zuhörer auf kritischen Gewerkschafter, der ich nun mal bin.
Wer sind ihre ZuhörerInnen? Wie junge welt am 13.5.26 berichtet, sind es meist hauptamtliche Funktionäre der DGB-Gewerkschaften.
Kein Wunder, daß sie begeistert für ihre Rede gefeiert wurde. Ist ihr Salär zwar nicht so hoch wie das der Vorsitzenden aber doch ein Vielfaches eines Empfängers vom Mindestlohn und das Mehrfache eines Facharbeiters. Und wohl (fast) alle Delegierten sehen es als berechtigt, tun sie doch ihr Bestes, die Interessen der 5,4 Millionen Mitglieder zu vertreten – wie die Vorsitzende Fahimi es verkündete.
Ihnen fiel daher auch nicht auf, was in der Rede von Frau Fahimi fehlte. Das soll hier nicht aufgezählt werden, es ist nachzulesen in der kleinen Zeitung der Initiative „Sagt Nein!“, die KollegInnen vor dem Tagungsort an die Delegierten verteilten! https://gewerkschaftsforum.de/k-o-n-g-r-e-s-s-z-e-i-t-u-n-g-dgb-bundeskongress-10-13-05-26-berlin-s-t-r-e-i-k-f-ae-h-i-g-s-t-a-t-t-k-r-i-e-g-s-t-ue-c-h-t-i-g/
Falls auf dem Bundeskongress 400 Delegierte gewesen wären, aktive GewerkschafterInnen aus den Betrieben, hätte es eine Diskussion gegeben über Rüstungskonversion, Produktionskontrolle, Kampf gegen Massenentlassungen.
Hier fand diese Diskussion nicht statt und bisher auch kaum bei den DGB-Gewerkschaften. Dennoch sollten Gremien der unteren Ebenen genutzt werden, die Demokratie, die Frau Fahimi so oft benannte, für eine Diskussion dieser Themen zu nutzen. Es geht um das Überleben der Gewerkschaften.
PS
In der letzten Minute ihrer Rede ging Frau Fahimi auf Alice Weidel und die AfD ein:
„Man stelle sich nur einen schrecklichen Augenblick vor, Alice Weidel würde deutsche Interessen mit Trump und Putin verhandeln. Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, darf nie passieren!
Im Recht uneingeschränkt gleich zu sein ist die Voraussetzung dafür, dass jeder die Freiheit hat, so zu sein und so zu leben, wie er oder sie es möchte. Allein deswegen gibt es für uns keine Gemeinsamkeit mit der AfD und anderen extremistischen Gruppierungen. Gestern nicht, heute nicht, morgen nicht!“
Ja, das stelle man sich vor: Alice Weidel verhandelt mit Trump und Putin und es kommt dabei ein Waffenstillstand heraus.
Frau Fahimi beschwört „keine Gemeinsamkeit mit der AfD“. Sie erwähnt mit keinem Wort, daß die AfD sich als stärkste Arbeiterpartei ausgibt, insofern berechtigt, als sowohl bei der Bundestagswahl aus auch Landtagswahlen mehr Arbeiter und mehr Mitglieder von DGB-Gewerkschaften die AfD wählten als die SPD oder die Linkspartei.
Das scheint in einer Grundsatzrede der Vorsitzenden als Thema nicht wichtig zu sein!? Weil die 400 Delegierten Sozialdemokraten sind und ein paar bei den Grünen oder der Linkspartei? Oder vielleicht doch schon bei der AfD?
Rede vonYasmin Fahimi, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes auf dem DGB-Bundeskongress
Video 74 Minuten
https://www.ardmediathek.de/video/phoenix-vor-ort/dgb-bundeskongress-rede-von-dgb-chefin-yasmin-fahimi/phoenix/Y3JpZDovL3Bob2VuaXguZGUvNTE5OTI5MQ
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Samstag, den 5.4.26 sind Tausende Jugendliche in Kuba zum Jahrestag der Gründung der Organización de Pioneros José Martí (OPJM) und des Jugendverbandes der KP, der Unión de Jóvenes Comunistas (UJC), auf die Straße gegangen. Bereits am Donnerstag der vergangenen Woche sind tausende junge Kubaner:innen dem Aufruf des UJC zu einem Protestmarsch gegen die Blockadepolitik der USA gefolgt. Der Demonstrationszug endete vor der US-Botschaft in der kubanischen Hauptstadt. amerika21
Das Netzwerk No Kings meldet Aktionen in allen 50 Bundesstaaten. Organisatoren sprechen von acht Millionen Teilnehmenden. Amerika 21

Brasilianische Gewerkschaften und soziale Bewegungen erhöhen den Druck, Treibstoff nach Kuba zu liefern. Mit dem Start der Kampagne "Öl für Kuba" haben sich die solidarischen Kräfte gebündelt. Amerika 21
Die kubanische Gesellschaft ist geschockt über den Angriff des US-Militärs. Bereits nach ersten Analysen kubanischer Sicherheitsexperten wurde klar, dass die als "Staatsterror" eingestufte Militäraktion von den US-Spezialeinheiten durch den Zusammenbruch der Verteidigungs-, Geheimdienst- und Spionageabwehr-struktur Venezuelas ermöglicht wurde. Kubanische Beobachter vermuten einen Verrat. ....Amerika21
Die Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V. in Tübingen hat eine Handlungshilfe für Betriebsräte und gewerkschaftliche Vertrauensleute veröffentlicht:

„Wenn einer mit Vergnügen in Reih und Glied zu einer Musik marschieren kann, dann verachte ich ihn schon. Er hat sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde. Diesen Schandfleck der Zivilisation sollte man so schnell wie möglich zum Verschwinden bringen. Heldentum auf Kommando, sinnlose Gewalttat und die leidige Vaterländerei, wie glühend hasse ich sie, wie gemein und verächtlich scheint mir der Krieg …“.
Kriegsmüde – das ist das dümmste von allen Worten, die die Zeit hat. Kriegsmüde sein das heißt, müde sein des Mordes, müde des Raubes, müde der Dummheit, müde des Hungers, müde der Krankheit, müde des Schmutzes, müde des Chaos… Kriegsmüde hat man immer zu sein, d.h. nicht nachdem, sondern ehe man einen Krieg begonnen hat. Aus Kriegsmüdigkeit werde der Krieg nicht beendet, sondern unterlassen…
Karl Kraus, 1918
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