Italien erlebt einen heißen Herbst: Gewerkschaften mobilisieren gegen Melonis Regierung
Generalstreik, Protestmärsche und internationale Solidarität: In Italien wächst der Widerstand gegen steigende Lebenshaltungskosten, Sozialabbau und die zunehmende Aufrüstung. Gewerkschaften und Studierende gehen gemeinsam auf die Straße.
Italien erlebt einen Herbst zunehmender sozialer Auseinandersetzungen. Am heutigen Freitag, dem 30. Oktober 2026, haben Gewerkschaften zu einem landesweiten Generalstreik und Demonstrationen in zahlreichen Städten aufgerufen. Im Zentrum der Proteste stehen die Wirtschafts- und Sozialpolitik der Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, die steigenden Lebenshaltungskosten und die wachsenden Militärausgaben.
In Rom, Mailand, Neapel, Turin, Venedig und Palermo versammeln sich Tausende Beschäftigte, Studierende und Schülerinnen und Schüler. Der Streikaufruf der Basisgewerkschaft USB richtet sich sowohl an Beschäftigte im öffentlichen Dienst als auch an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Privatwirtschaft. Die Organisatoren erwarten Beeinträchtigungen in zahlreichen Wirtschafts- und Dienstleistungsbereichen.
Wenn das Leben immer teurer wird
Ein wesentlicher Auslöser der Proteste ist die angespannte soziale Lage vieler Menschen. Steigende Mieten, hohe Energiepreise und teurere Lebensmittel bringen immer mehr Haushalte unter Druck. Gleichzeitig beklagen Gewerkschaften, dass die Löhne mit der Preisentwicklung nicht Schritt halten.
Besonders betroffen sind Menschen mit niedrigen Einkommen, prekär Beschäftigte und junge Menschen, die kaum noch bezahlbaren Wohnraum finden. Unsichere Arbeitsverhältnisse und befristete Verträge erschweren zusätzlich eine verlässliche Lebensplanung.
Die Gewerkschaften fordern deshalb deutliche Lohnerhöhungen, eine Entlastung bei den Preisen für grundlegende Güter und niedrigere Kosten für Energie und Wohnen. Die USB verlangt unter anderem eine stärkere automatische Anpassung der Löhne an die Inflation.
Widerstand gegen Aufrüstung und Sozialabbau
Ein weiterer zentraler Konfliktpunkt ist die Haushaltspolitik der Regierung Meloni. Die Gewerkschaften kritisieren, dass immer mehr öffentliche Mittel für militärische Zwecke und Aufrüstung vorgesehen werden, während es ihrer Ansicht nach an ausreichenden Investitionen in Krankenhäuser, Schulen, öffentlichen Nahverkehr und soziale Sicherung fehlt.
Die Protestierenden stellen damit eine grundsätzliche Verteilungsfrage: Wer trägt die Kosten der wirtschaftlichen und politischen Krisen – und wofür werden die öffentlichen Gelder eingesetzt?
Die Regierung verweist dagegen auf sicherheitspolitische Verpflichtungen und die Notwendigkeit solider Staatsfinanzen. Die Auseinandersetzung um die Prioritäten im Staatshaushalt dürfte deshalb auch in den kommenden Monaten ein wichtiger Konflikt bleiben.
Studierende und Beschäftigte gemeinsam auf der Straße
Bemerkenswert ist die Beteiligung unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen. Neben den Gewerkschaften beteiligen sich Studierendenorganisationen und Schülervertretungen an den Protesten. Sie kritisieren unter anderem die schwierige soziale Lage junger Menschen, fehlende Perspektiven und die zunehmende Unsicherheit auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt.
Auch die Hafenarbeiter stehen im Mittelpunkt der Mobilisierung. Sie protestieren gegen Waffenhandel, die militärische Nutzung von Hafeninfrastruktur und die Einbindung ziviler Einrichtungen in militärische Operationen.
Die Aktionen sind Teil einer internationalen Mobilisierung. Nach Angaben der Organisatoren beteiligen sich Beschäftigte aus mehr als 100 Häfen in 17 Ländern an Protesten gegen Waffenhandel und Militarisierung.
CGIL kündigt weiteren Generalstreik an
Die Proteste beschränken sich nicht auf die Basisgewerkschaften. Auch Italiens größte Gewerkschaft CGIL hat ihre Mobilisierung verstärkt. Bereits am 17. Oktober beteiligten sich nach Angaben der Gewerkschaft rund 100.000 Menschen an einer Demonstration in Rom.
CGIL-Generalsekretär Maurizio Landini kündigte für den 20. November einen weiteren landesweiten Generalstreik an. Die Gewerkschaft verlangt unter anderem Verbesserungen bei Löhnen, Renten und öffentlichen Dienstleistungen sowie eine andere Ausrichtung der staatlichen Haushaltspolitik.
Damit wächst der Druck auf die Regierung Meloni nicht nur durch einzelne Protestaktionen, sondern durch eine längerfristige gewerkschaftliche Mobilisierung.
Ein Herbst mit offenem Ausgang
Die aktuellen Proteste zeigen, dass sich in Italien unterschiedliche soziale Konflikte zunehmend miteinander verbinden. Die Auseinandersetzung um Löhne und Arbeitsbedingungen trifft auf den Widerstand gegen steigende Lebenshaltungskosten, die Kritik an der Aufrüstung und die Forderung nach einer besseren Finanzierung öffentlicher Einrichtungen.
Ob die Protestbewegung genügend Druck entwickeln kann, um politische Veränderungen zu erreichen, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Regierung Meloni sieht sich mit einer wachsenden Zahl gesellschaftlicher Gruppen konfrontiert, die ihre Wirtschafts- und Sozialpolitik öffentlich infrage stellen.
Der 30. Oktober könnte damit zu einem weiteren wichtigen Datum in einem Herbst werden, in dem Gewerkschaften und soziale Bewegungen versuchen, den politischen und gesellschaftlichen Kurs Italiens stärker mitzubestimmen.
Nach ersten Schätzungen beteiligten sich landesweit weit mehr als 100.000 Menschen an den Protesten. Die seriöse Gewerkschaft USB sprach sogar von über einer Million Teilnehmern.
Termine für den Zeitraum Oktober 2026 bis Februar 2027
Früher begonnen
Beendet
Ausstellung zu Kolumbien: Vom Bürgerkrieg zu indigener Autonomie
Fotos von Wandbildern aus Kolumbien & Diskussion
Veranstalter: Milagro Amaru
19.09. bis 12.10.2026 Berlin: m Cafe MaDaMe Mehringplatz 10 (U: Hallesches Tor) 
Oktober 2026
Beendet
Gegen Gewalt und organisierte Verwahrlosung: Wie eine Klinik in Chiapas kollektive Fürsorge denkbar macht.
Victórico Gálvez Pérez (Frayba), Pablo Uc (IRGAC), Felicitas Treue (EuropaZapatista) und medico.
November 2026
Europäische Außengrenzen, Rechtslosigkeit und der europäische Rechtsruck
Herbsttagung des Flüchtlingsrat Baden-Württemberg mit Vortrag von Valeria Hänsel, medico-Referentin für Flucht & Migration
14.11.2026
11:00 Bürgerräume Stuttgart-West Bebelstraße 22 70193 Stuttgart 
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