Am Donnerstagabend wurde der Zukunftsplan von Volkswagen bekanntgegeben:
„Aufsichtsrat stimmt Zukunftsplan 2030 zu: Starkes Signal für die Volkswagen Group“
Die dem Zukunftsplan 2030 zugrunde liegende Erhebung sieht einen konzernweiten Abbau von rund 50.000 Arbeitsplätzen vor – einschließlich Managementpositionen.
Volkswagen Group: Aufsichtsrat stimmt Zukunftsplan 2030 zu
Ja, so sieht es aus Sicht der Vertreter des Kapitals aus: Arbeitsplätze und Standorte werden abgebaut – und das wird als „starkes Signal“ bezeichnet.
Für die 50.000 betroffenen Beschäftigten und ihre Familien ist dieser Zukunftsplan allerdings ebenfalls ein starkes Signal – ein Signal für drohenden sozialen Abstieg.
Interessant ist auch, wie sich die Stimmen aus dem Umfeld der IG Metall zu diesem Zukunftsplan äußern.
Frau Benner, stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und Erste Vorsitzende der IG Metall, äußert sich zurückhaltend:
„Wir haben intensiv um gute Lösungen in dieser Krisensituation gerungen. Mit dem nun verabschiedeten Zukunftsplan stellen wir uns gemeinsam mit Vorstand und Anteilseignern den riesigen Herausforderungen. Es ist gut, dass der Vorstand nun die Grundlage hat, die entscheidenden Aufgaben anzugehen.“
Dabei hatte Benner erst vor kurzem gemeinsam mit Peter Leibinger vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) im Handelsblatt dafür plädiert, dass in Deutschland mehr geleistet werden müsse.
Damals stieß diese Aussage bei vielen Kolleginnen und Kollegen in der Automobilindustrie auf heftigen Protest.
Nun findet sich genau diese Argumentation auch im Zukunftsplan wieder: Die Wettbewerbsfähigkeit soll gesteigert werden.
Frau Cavallo, Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrats der Volkswagen Group, wird in ihrer Stellungnahme deutlich konkreter:
„Der Zukunftsplan ist eine Notwendigkeit, um unseren Konzern erfolgreich ins nächste Jahrzehnt zu führen, ohne dass die damit verbundenen Vorhaben einseitig auf Kosten der Beschäftigten gehen.“
Weiter heißt es:
„Volkswagen wahrt damit einmal mehr die Gleichrangigkeit von Beschäftigungssicherung und Wirtschaftlichkeit als gemeinsame Unternehmensziele.“
Cavallo betont außerdem die Verantwortung der Mitbestimmung und die Perspektive der Beschäftigten an den verschiedenen Standorten.
Auffällig ist: Weder bei Benner noch bei Cavallo findet sich ein Wort über eine Konversion hin zu zivilen Produkten oder über einen Kurs gegen die Aufrüstung.
Stattdessen wird der Zukunftsplan als gemeinsamer Weg von Unternehmen und Gewerkschaft dargestellt.
Aus unserer Sicht stellt sich deshalb die Frage: Ist dieser Zukunftsplan tatsächlich ein Zukunftsplan für die Beschäftigten – oder führt er vor allem zu weiterem Arbeitsplatzabbau und sozialem Abstieg?
Jetzt stellt sich die entscheidende Frage:
Wie reagieren die 50.000 betroffenen Kolleginnen und Kollegen und ihre Familien?
Wie werden die Menschen in den betroffenen Städten reagieren? Und vor allem:
Wie werden die Automobilarbeiterinnen und Automobilarbeiter reagieren, die bereits in Aktionen und Protesten auf ihre Situation aufmerksam gemacht haben?
Es ist zu befürchten, dass das, was Volkswagen mit diesem Zukunftsplan vorgemacht hat, auch bei anderen Autoherstellern und Zulieferern Schule machen könnte.
Umso wichtiger wird es sein, dass die Beschäftigten ihre Interessen selbstbewusst vertreten und sich gegen Arbeitsplatzabbau und die Schließung von Standorten zur Wehr setzen.
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Kriegsmüde – das ist das dümmste von allen Worten, die die Zeit hat. Kriegsmüde sein das heißt, müde sein des Mordes, müde des Raubes, müde der Dummheit, müde des Hungers, müde der Krankheit, müde des Schmutzes, müde des Chaos… Kriegsmüde hat man immer zu sein, d.h. nicht nachdem, sondern ehe man einen Krieg begonnen hat. Aus Kriegsmüdigkeit werde der Krieg nicht beendet, sondern unterlassen…
Karl Kraus, 1918
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