Verdi
Nach ersten Warnstreiks tausender Beschäftigter an sechs Hafenstandorten Mitte August und einem besseren Angebot der Arbeitgeber in der dritten Verhandlungsrunde hat sich in den Rückkopplungsgespräche eine große Mehrheit der Hafenbeschäftigten gegen das vorliegende Angebot ausgesprochen. Sie fordern eine Erhöhung der Stundenlöhne von 8,2 Prozent, mindestens aber 2,50 Euro pro Stunde
In die Tarifrunde für die 11.000 Beschäftigten der deutschen Seehäfen hat sich eine große Mehrheit gegen das verbesserte Angebot der Arbeitgeber, des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS), aus der dritten Verhandlungsrunde ausgesprochen.
Das Angebot reicht nicht aus. Jetzt muss es zurück an den Verhandlungstisch gehen für ein Ergebnis, das den Interessen der Beschäftigten gerecht wird.
— Sylvi Krisch, ver.di-Verhandlungsführerin
Der ZDS hatte für die Beschäftigten in Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Emden, Brake und Wilhelmshaven Lohnerhöhungen von 5,1 Prozent, rückwirkend ab dem 1. August 2026, angeboten, bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von 18 Monaten. Zudem sollte es eine Mindesterhöhung von 1,20 Euro pro Stunde geben.
An der knapp einwöchigen Rückkopplungsrunde im Anschluss an die Verhandlungen haben wieder über 6.000 Beschäftigte teilgenommen. Eine breite Mehrheit von ihnen sprach sich gegen die Annahme des Angebots aus. Die zuständige ver.di-Bundestarifkommission entschied am 31. August 2026 auf dieser Grundlage.
Rückblick
Erste Verhandlungsrunde
Mit der ersten Verhandlungsrunde in Bremen hatte am 22. Juli 2026 die Tarifrunde für die Beschäftigten der deutschen Seehäfen begonnen. Von der Tarifrunde betroffen sind die Hafenstandorte Hamburg, Bremen/Bremerhaven, Emden, Brake und Wilhelmshaven. Die Auftaktverhandlung endete ohne Ergebnis.
ver.di fordert eine Erhöhung der Stundenlöhne um 8,2 Prozent, mindestens aber 2,50 Euro pro Stunde, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Mindesterhöhung soll insbesondere die unteren und mittleren Lohngruppen stärken. Die Arbeitgeber hatten lediglich 5,3 Prozent höhere Löhne in zwei Schritten vorgeschlagen, dazu Einmalzahlungen, bei allerdings doppelt so langer Laufzeit. Die Beschäftigten kritisierten insbesondere die lange Laufzeit und die zu geringe Erhöhung für die unteren Lohngruppen.
Zweite Verhandlungsrunde
In der zweiten Verhandlungsrunde reagierten die Arbeitgeber Anfang August mit einem zumindest in Teilen stark verbesserten Angebot auf die ver.di-Forderungen nach höheren Lohnzuwächsen.
Das Angebot des ZDS sah für die Beschäftigten Lohnerhöhungen von 5,1 Prozent rückwirkend ab dem 1. August 2026 vor. Es hätte damit keine Nullmonate gegeben, also Phasen ohne Erhöhungen – die Arbeitgeber sonst oft fordern, um Kosten zu senken. Auch das Urlaubsgeld sollte für alle Beschäftigten ab Januar 2027 um pauschal 300 Euro erhöht werden. Das würde insbesondere die unteren Entgeltgruppen stützen, weil der Zuwachs hier anteilig höher ausfällt. Das Angebot sah zudem eine um 460 Euro erhöhte Zulage für die Beschäftigten der umsatzstarken Containerbetriebe („A-Betriebe“) vor. Die Laufzeit sollte 19 Monate (bis Ende Februar 2028) betragen.
Die Arbeitgeber hatten dieses Angebot als „final“ gekennzeichnet.
Warnstreiks
Nach der zweiten Verhandlungsrunde hatte ver.di zu Warnstreiks aufgerufen. Tausende Beschäftigte folgten dem Aufruf und streikten an sechs Hafenstandorten: in Hamburg, Bremerhaven, Bremen, Wilhelmshaven, Emden und Brake. Die Arbeitsniederlegungen begannen mit der Nachtschicht am Montagabend den 17. August und dauerten 24 Stunden. „Dieses Signal an die Arbeitgeber, dass wir es ernst meinen mit unserer Tarifforderung, ist offenbar dringend nötig“, sagte ver.di-Verhandlungsführerin Sylvi Krisch. Zuvor hatte eine große Mehrheit der Beschäftigten in einer Befragung das bisherige Angebot des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe abgelehnt. Mehr als 6.100 Beschäftigte hatten sich an der einwöchigen Rückkopplungsrunde beteiligt.
Dritte Verhandlungsrunde
Ein weiterer 24-stündiger Warnstreik hatte schließlich zu einem dritten Verhandlungstermin geführt, der am Abend des 25. August in Hamburg nach zwei intensiven Tagen beendet wurde. Das Angebot für die Hafenbeschäftigten in Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Emden, Brake und Wilhelmshaven habe erst nach einem harten Ringen erreicht werden können, so Krisch. Der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe bot wieder 5,1 Prozent höhere Stundenlöhne an, rückwirkend ab dem 1. August 2026 – erstmals aber auch eine Mindesterhöhung von 1,20 Euro pro Stunde, was die unteren Lohngruppen stützt. Zudem sollte das Urlaubsgeld für alle um 150 Euro erhöht werden. Beschäftigte in den umsatzstarken Containerbetrieben (sogenannte A-Betriebe) sollten ab dem 1. Januar 2027 zusätzlich eine um 616 Euro erhöhte Jahrespauschale erhalten, die dann insgesamt 5.000 Euro betragen hätte. Die Laufzeit sollte dem Angebot zufolge nun 18 Monate betragen, einen Monat kürzer als im Angebot davor.
Die Verhandlungsführung der Arbeitgeberseite habe auch dieses Angebot als „nicht mehr veränderbares Gesamtpaket“ bezeichnet, berichtete Krisch. So habe der ZDS etwa die von ver.di geforderte Laufzeit von zwölf Monaten kategorisch ausgeschlossen, wenn es zugleich die geforderte Mindesterhöhung zugunsten der unteren Lohngruppen geben solle. Immerhin: Der angebotene Mindestbetrag würde in den Hafenbetrieben künftig dafür sorgen, dass kein Stundenlohn mehr unter 20 Euro liege.
Die Hafenbeschäftigten sind zugleich willens und in der Lage, solidarisch für ihre Forderungen zu kämpfen.
— Sylvi Krisch und Francisca Bier, ver.di-Verhandlungsführerinnen
Krisch hatte bereits vor der zweiten Verhandlungsrunde betont, wer die Leistungsfähigkeit der deutschen Seehäfen sichern wolle, müsse die Menschen stärken, die sie täglich am Laufen hielten. Dazu gehöre eine deutliche Verbesserung der Einkommen – insbesondere in den unteren Entgeltgruppen.
Die Forderungen hatte die Bundestarifkommission auf Grundlage einer Mitgliederbefragung beschlossen. Mit der Mindesterhöhung von 2,50 Euro pro Stunde sollen insbesondere die unteren und mittleren Entgeltgruppen überproportional profitieren.
„Die wirtschaftliche Entwicklung der Hafenunternehmen zeigt, dass die Branche insgesamt stabil und erfolgreich unterwegs ist“, so Sylvi Krisch vor Beginn der Gespräche. Die Beschäftigten hätten in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie auch unter schwierigen Bedingungen die Lieferketten am Laufen halten. Steigende Umschläge, gute Unternehmensergebnisse und wachsende Anforderungen müssten sich nun auch in den Löhnen widerspiegeln.
Über den weiteren Verlauf der Tarifrunde wird in diesem Artikel fortlaufend berichtet.
Mehr Verantwortung, mehr Belastung
Die Tarifrunde findet in einer Zeit statt, in der die Anforderungen an die Beschäftigten in den Seehäfen weiter wachsen. Häfen sind zentrale Knotenpunkte für die Versorgung mit Rohstoffen, Energie, Lebensmitteln und Industriegütern. Gleichzeitig verändern Digitalisierung, Automatisierung und geopolitische Krisen die Arbeitsbedingungen grundlegend.
Erst Ende April stand die maritime Wirtschaft im Mittelpunkt der 14. Nationalen Maritimen Konferenz in Emden. Die von der Bundesregierung veranstaltete Konferenz gilt seit dem Jahr 2000 als wichtigstes Forum für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Gewerkschaften und Verbände.
Nach Einschätzung von Maren Ulbrich, ver.di-Branchenleiterin Maritime Wirtschaft, bleiben viele Herausforderungen jedoch seit Jahren ungelöst. Dazu zählen die schrumpfende Handelsflotte unter deutscher Flagge, Nachwuchs- und Ausbildungsprobleme sowie ein Investitionsstau in den Häfen. Hinzu kommen die Folgen von Digitalisierung und Automatisierung. Aus Sicht von ver.di brauche es statt weiterer Absichtserklärungen endlich konkrete politische Maßnahmen und eine koordinierte maritime Strategie.
Neue Sicherheitsrisiken in den Häfen
Neben den wirtschaftlichen Veränderungen wächst auch der sicherheitspolitische Druck. Militärische Konflikte, Sabotage, Cyberangriffe und Störungen internationaler Lieferketten rücken Häfen zunehmend in den Fokus. Als kritische Infrastruktur seien sie nicht nur wirtschaftlich bedeutsam, sondern auch potenzielle Ziele für Angriffe.
Besonders kritisch bewertet ver.di die zunehmenden Drohnenüberflüge über Hafenanlagen. Sie könnten der Spionage dienen oder zur Vorbereitung von Sabotage und gezielten Angriffen genutzt werden. Für die Beschäftigten bedeute dies zusätzliche Risiken in einem Arbeitsumfeld, das ohnehin durch schwere Lasten, Gefahrgut und komplexe Technik geprägt ist. ver.di fordert deshalb unabhängig von der laufenden Tarifverhandlung umfassende Sicherheitskonzepte, die gemeinsam von Politik, Hafenbetreibern, Behörden und Beschäftigten entwickelt werden. Dazu gehören klare Meldewege, regelmäßige Schulungen und die Möglichkeit, Arbeiten bei akuter Gefährdung ohne Nachteile für die Beschäftigten zu unterbrechen.
„Jeder hat das Recht, nach der Arbeit gesund nach Hause zu kommen“, betont Branchenleiterin Maren Ulbrich.
Termine für den Zeitraum September 2026 bis Januar 2027
September 2026
Feministisch vergesellschaften
25. bis 27.09.2026
13:00 Fr - 15:00 So Ruhr-Universität Bochum Universitätsstraße 150 44801 Bochum 
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Die Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V. in Tübingen hat eine Handlungshilfe für Betriebsräte und gewerkschaftliche Vertrauensleute veröffentlicht:

„Wenn einer mit Vergnügen in Reih und Glied zu einer Musik marschieren kann, dann verachte ich ihn schon. Er hat sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde. Diesen Schandfleck der Zivilisation sollte man so schnell wie möglich zum Verschwinden bringen. Heldentum auf Kommando, sinnlose Gewalttat und die leidige Vaterländerei, wie glühend hasse ich sie, wie gemein und verächtlich scheint mir der Krieg …“.
Kriegsmüde – das ist das dümmste von allen Worten, die die Zeit hat. Kriegsmüde sein das heißt, müde sein des Mordes, müde des Raubes, müde der Dummheit, müde des Hungers, müde der Krankheit, müde des Schmutzes, müde des Chaos… Kriegsmüde hat man immer zu sein, d.h. nicht nachdem, sondern ehe man einen Krieg begonnen hat. Aus Kriegsmüdigkeit werde der Krieg nicht beendet, sondern unterlassen…
Karl Kraus, 1918
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