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"Verstand" vs Völkerecht

US-Präsident Trump sieht Kuba bereits maximal unter Druck. Washington verschärft seit Januar 2025 die Maßnahmen. Trump: "Nur mein Verstand kann mich aufhalten, Völkerrecht brauche ich nicht". Amerika21

Aufruf 70+ 

Gegen Militarisierung und Kriegsdienst!

"Wir sind Kriegs- und Nachkriegskinder des Zweiten Weltkrieges. Wir sind 70 Jahre und älter und viele von uns sind noch durch Trümmerlandschaften gelaufen", "wir sind entsetzt über die Leichtfertigkeit, mit der heute eine beispiellose Aufrüstung betrieben wird und fordern ein Umdenken...."

„Lasst uns die Warnungen erneuern, und wenn sie schon wie Asche in unserem Mund sind! Denn der Menschheit drohen Kriege, gegen welche die vergangenen wie armselige Versuche sind, und sie werden kommen ohne jeden Zweifel, wenn denen, die sie in aller Öffentlichkeit vorbereiten, nicht die Hände zerschlagen werden.“

Bertolt Brecht, Das Gedächtnis der Menschheit

Das "Trump-Korollar" zur Monroe-Doktrin

und der Raub an Venezuela. Lateinamerika in der neuen US-Sicherheitsstrategie. Amerika21

Gigantisches Internierungslager

Mit einer Hungerblockade will Israel Gaza ethnisch säubern. Die Hilfsorganisation Palestinian Medical Relief Society schlägt Alarm - Von Raul Zelik

Gewerkschaften gegen Aufrüstung und Krieg

Unterschriftenaktion: Wir fordern unsere Gewerkschaften und ihre Vorstände auf, den Beschlüssen und ihrer Verantwortung gerecht zu werden! Die Gewerkschaften müssen sich laut und entschieden zu Wort melden und ihre Kraft wirksam machen: gegen Kriege und gegen Aufrüstung!

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Nachruf aus Wuppertal zum Tod von Rolf Becker

15.01.2026

Rolf fehlt

Am Mittwoch, den 7. Januar 2026 fanden in Hamburg Trauerfeier und Beisetzung des Schauspielers und politischen Aktivisten Rolf Becker statt. Die St. Georgskirche war voll besetzt, und es sprachen eine Reihe von Menschen aus den verschiedensten Zusammenhängen, die mit dem Toten in Verbindung standen und ihm nun die letzte Ehre erwiesen. Den Ablauf des Abschieds hatte Rolf selbst festgelegt. Er war sehr bewegend, traurig aber auch schön in der Vielfalt und Wärme, die zum Ausdruck kam.

Rolf war dieser Kirche, direkt neben dem Schauspielhaus gelegen, sehr verbunden, ein Beweis dafür, wie übergreifend er verankert war. Die Trauerfeier eines Atheisten in seiner Lieblingskirche, gewürdigt durch Reden von Schauspielerkollegen, einem Mitglied des Ausschwitzkomitees, einem Gewerkschafter der ehemaligen Gewerkschaft Druck und Papier, einer Kollegin der GEW, einer Genossin aus seiner Gruppe Arbeiterpolitik, der Ratsvorsitzenden der EKD und natürlich und zuerst von seiner Familie. Es wurde Musik von Mikis Theodorakis am Klavier gespielt für Rolf, der so solidarisch auch mit den griechischen sozialen Bewegungen war. Beim Hinausgehen erklang „Der Traum ist aus“ von Ton, Steine Scherben. Es war ein Erlebnis.

Die Urnenbeisetzung fand auf dem Ohlsdorfer Friedhof auf dem Gräberfeld der Opfer von Krieg und nationalsozialistischer Gewaltherrschaft statt.

 

Rückblick

 

Am 12. Dezember 2025 starb Rolf Becker. Wir lernten ihn als Menschen kennen, der zugewandt und menschenfreundlich mit einem klaren politischen Kompass seine Bekanntheit und seine Fähigkeiten als Schauspieler einsetzte, um diejenigen, die Solidarität benötigten zu unterstützen. Dies Engagement ging auch über deutschen Grenzen hinaus.

Es sind schon so viele Nachrufe zum Tod von Rolf Becker erschienen, die meisten werden ihm nicht gerecht, weil sie sein politisches Leben komplett oder überwiegend ausgelassen haben. Die WZ hat sich diesbezüglich an Ignoranz selbst übertroffen. Sehr schöne Ausnahmen davon sind die von Harald Neuber „Der gute Mensch von Schneverdingen“, von Ulrike Eiffler „Rolf Becker - Unermüdlich bis zum Schluss für den Frieden“ und "Der Fährmann" Nekrolog auf Rolf Becker als politischen Künstler von Susann Witt-Stahl.

Wir möchten uns deshalb im Wesentlichen auf eigene Begegnungen und Erlebnisse mit Rolf beschränken, die eher fragmentarisch ausfallen müssen. Wir, das sind zum einen Einzelpersonen, die als aufmüpfige Lehrlinge in einem Wuppertaler chemischen Großbetrieb Anfang der 70-er Jahre, aktiv in der Lehrlingsbewegung und der Gewerkschaftsjugend, ihren ersten Kontakt mit Rolf hatten und anlässlich verschiedener Ereignisse mit ihm lange Zeit in Verbindung blieben. Und zum anderen der Musiker, Komponist, Autor, Mitgründer der internationalen Armin T. Wegner-Gesellschaft sowie der Musikerinitiative Lebenslaute.

Ulrich Franz, Wuppertal: Meine Kontakte zu Rolf Becker erfolgten über die Gruppe Arbeiterpolitik. Diese verortet sich in der Tradition der KPD (Opposition) KPO. Diese Strömung war Ergebnis von tiefgreifenden Differenzen in der Weimarer Republik über den aus Moskau angeordneten ultralinken Kurs der KPD, die den stalinschen RGO-Kurs und die Sozialfaschismustheorie (SPD-ler = Sozialfaschisten) der Partei nicht mittragen wollten, und deren Anhänger deshalb ausgeschlossen wurden. Die KPO gründete sich am 30.12.1928, 10 Jahre nach der Gründung der KPD.

Nach dem Faschismus, der die linke Opposition in Deutschland brutalst dezimiert hatte, sammelten sich Überlebende und gründeten die Gruppe Arbeiterpolitik (Arpo). Dort fand Rolf Becker seine politische Heimat und über diese kam ich mit ihm in Kontakt. Mein erstes Zusammentreffen mit Rolf war eine Flugblattverteilung vor einem Stahlwerk in Dortmund, die von der Bremer Gruppe, in der Rolf Becker aktiv war, initiiert worden war. In Bremen gab es die Glöckner Werke, dort waren die Arbeiter in einen „wilden“ Streik getreten und die „Streikführer“ wurden von Kündigung und Gewerkschaftsausschluss bedroht. Um die Streiks für eine angemessene Lohnerhöhung auszuweiten bzw. im Ruhrgebiet für Solidarität zu werben, gab es die Flugblattaktion vor den Stahlbetrieben, an denen Rolf und ich teilgenommen haben. Wir trafen uns auf der Autobahnraststätte Lichterfeld morgens um 4 Uhr, sprachen den Einsatz ab, verteilten die Flugblätter und um 7:45 Uhr trat ich meine Arbeit bei Bayer in Wuppertal an. Danach blieben wir regelmäßig in Kontakt.

Später traf ich ihn und andere Arpo-Mitglieder zu politischen Diskussionen in der Lüneburger Heide. Häufiger übernachtete er auch bei uns zuhause, wenn er „Termine“ in Wuppertal oder in der Nähe hatte. Mit der Zeit fuhren auch noch andere Kolleg*innen aus Wuppertal mit zu den Arpo-Konferenzen. Irgendwann bildeten wir einen „Lesekreis“, um über Politik und Geschichte zu lernen, denn es waren bewegte Zeiten.

Rolf Becker war ein durch und durch solidarischer Mensch und Internationalist, dafür lassen sich viele Beispiele anführen. Wir möchten noch eines erwähnen, an dem wir beteiligt waren.

 

Anfang des Jahres 2000 wurden nach einem Konflikt wegen der Verschlechterung von Arbeitsbedingungen bei VW in Südafrika erst 13 Shopstewards, die gegen die Unterzeichnung einer Vereinbarung rebellierten, und dann 1300 Arbeiter entlassen, die wegen der Entlassung ihrer Interessenvertreter in Streik traten.

Beatrix Sassermann aus Wuppertal, die zu diesen Zeitpunkt gute Kontakte zu südafrikanischen Gewerkschaftern hatte, kam der Bitte der südafrikanischen Kollegen nach, Solidaritätsbesuche von deutschen VW-Kollegen nach Südafrika und von südafrikanischen Kollegen nach Deutschland zu organisieren. Mit Hilfe der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt konnte die Teilnahme von Kollegen aus deutschen VW-Werken (Salzgittern und Kassel) organisiert werden, die an den Schlichtungsversammlungen in Uitenhage (Eastern Cape) teilnahmen. Umgekehrt wollten wir in Deutschland Solidarität und Protest organisieren, um von Volkswagen die Wiedereinstellung der Entlassenen zu erreichen. Dazu wurden in verschiedenen Städten Versammlungen abgehalten und die südafrikanischen Kollegen angehört.

In diesem Konflikt wurde auch Rolf Becker aktiv. Er besuchte mit seinem Sohn die gefeuerten Arbeiter in Uitenhage, wo VW sein Werk hatte. Und bei einer Rundreise von südafrikanische Kollegen in Deutschland im April 2000 mit Station in Hamburg, die von Beatrix Sassermann organisiert worden war, übergab er auch eine Geldspende, die sie mit nach Südafrika nehmen sollte - und auch dort übergeben hat. Des Weiteren sandte der Vorstand der damaligen IG Medien, dem Rolf angehörte, einen Brief an Vertrauensleute und Betriebsräte mit der Aufforderung, die entlassenen Arbeiter zu unterstützen und für ihre Wiedereinstellung einzutreten.

Als das Wuppertaler Friedensforum am 10. November 2024 anlässlich des Jahrestag der Novemberrevolution und der aktuellen kriegerischen Zeitenwende einen Referenten suchte, besannen wir uns auf die alte Verbundenheit mit Rolf Becker und fragten an, ob er zu diesem Anlass nach Wuppertal kommen würde. Tatsächlich sagte er zu und trug im Rahmen der Veranstaltung 1914 Weltkrieg - Zeitenwende durch Widerstand und Revolution sein Ossietzky-Programm in der Verteilstelle für Kultur und Geschichte von Reiner Rhefus in der Sedanstraße vor. Wir waren begeistert von seiner sonorigen Stimme, seiner Lebendigkeit, Präsenz und Freundlichkeit, die er mit seinen 89 Jahren ausstrahlte.

Als weiterer Teilnehmer und ebenfalls alter Bekannter von Rolf Becker bereicherte Ulrich Klan mit Musik und Texten die gemeinsame Veranstaltung.

Auch Ulrich Klan stand mit Rolf Becker in Verbindung: „Mit seiner engagierten Kunst und mit seiner engagierten Haltung - beides war nicht voneinander zu trennen! - hat Rolf Becker mit außergewöhnlicher Solidarität auch für kleine Gruppen immer wieder verschiedene Initiativen unterstützt. Oft kam er mehrmals im Jahr nach Wuppertal. Ob in der börse oder in der Verteilstelle, ob zur Literaturbiennale in der Concordia oder im Engels-Haus... Auch im letzten Jahr folgte er noch einmal einer Einladung der Armin T. Wegner Gesellschaft nach Wuppertal: Noch am 15. Mai, soeben 90-jährig (!), kam er - nur noch mühsam gehend, aber im Kopf und im Herzen voll großer Klarheit, Kraft und Wärme - in die sehr gut besuchte Stadtbibliothek mit der antifaschistischen Armin T. Wegner-Lesung "Was wäre ein Deutschland ohne Wahrheit, Schönheit und Gerechtigkeit?".

 

In Trauer und Gedenken an einen großartigen Menschen

Ulrich Franz

Ulrich Klan

Beatrix Sassermann

Im Dezember 2025/Januar 2026

 
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Termine für den Zeitraum Januar 2026 bis Mai 2026



Januar 2026

Wie Lieferdienste ihre Fahrer ausbeuten,
warum uns das alle ärmer macht- und was
wir dagegen tun können

ORRY MITTENMAYER
KIEPENHEUER
WITSCH
NGG, Anmeldung erforderlich
Anmelden unter. NRW.Duesseldorf.Anmeldung@dgb.de

28.01.2026
18:00 Düsseldorf DGBHaus



März 2026

Der nächste Schulstreik gegen Wehrdienst und Millitarisierung

05.03.2026
bundesweit

 

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Eine Wende ist nötig – aber eine ganz andere!
Kriegstüchtig. Wir sollten es aus unserer Vergangenheit kennen und wissen wie es endet.

Kuba: Folgen des Angriffs der USA auf Venezuela

Die kubanische Gesellschaft ist geschockt über den Erfolg des US-Militärs. Bereits nach ersten Analysen kubanischer Sicherheitsexperten wurde klar, dass die als "Staatsterror" eingestufte Militäraktion von den US-Spezialeinheiten durch den Zusammenbruch der Verteidigungs-, Geheimdienst- und Spionageabwehr-struktur Venezuelas ermöglicht wurde. Kubanische Beobachter vermuten einen Verrat.

Beim Angriff der Vereinigten Staaten wurden unter anderem 32 kubanische Sicherheitskräfte getötet, von denen einige im unmittelbaren Schutzring um den Präsidenten Maduro mehr als zwei Stunden Widerstand gegen die Aggressoren leisteten, aber von venezolanischen Militärs keinerlei Unterstützung erhielten. ....Amerika21

In Artikel 2 Absatz 4 der UN-Charta von 1945 heißt es: »Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt.«

Neue Broschüre von IMI

Die Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V. in Tübingen hat eine Handlungshilfe für Betriebsräte und gewerkschaftliche Vertrauensleute veröffentlicht:

Arbeitsplätze in der Rüstungsin-dustrie sind unsicherer als in vielen anderen Branchen. Die Nachfrage ist von politischen Entscheidungen abhängig – internationale Entspannung kann zu einem Rückgang der Nachfrage und zu Arbeitsplatzverlusten führen. Viele Angestellte wollen, dass ihr Beruf auch privat hohes Ansehen hat; was schwer möglich ist bei einer Branche, die davon lebt, dass kein Frieden herrscht.

Albert Einstein

„Wenn einer mit Vergnügen in Reih und Glied zu einer Musik marschieren kann, dann verachte ich ihn schon. Er hat sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde. Diesen Schandfleck der Zivilisation sollte man so schnell wie möglich zum Verschwinden bringen. Heldentum auf Kommando, sinnlose Gewalttat und die leidige Vaterländerei, wie glühend hasse ich sie, wie gemein und verächtlich scheint mir der Krieg …“.

Kriegsmüdigkeit

Kriegsmüde – das ist das dümmste von allen Worten, die die Zeit hat. Kriegsmüde sein das heißt, müde sein des Mordes, müde des Raubes, müde der Dummheit, müde des Hungers, müde der Krankheit, müde des Schmutzes, müde des Chaos… Kriegsmüde hat man immer zu sein, d.h. nicht nachdem, sondern ehe man einen Krieg begonnen hat. Aus Kriegsmüdigkeit werde der Krieg nicht beendet, sondern unterlassen…
Karl Kraus, 1918

Eine Wende ist nötig – aber eine ganz andere!

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