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Schweizer Radio verleumdet Kuba

18.09.2020

Professor Franco Cavalli ist einer der kompetentesten Onkologen Europas. Der 78jährige war Chefarzt am Spital San Giovanni in Bellinzona und Präsident der Krebsliga Schweiz – eine unbestrittene internationale Autorität. Gleichzeitig ist er ein überzeugter Sozialist. Der Kampf für soziale Gerechtigkeit ist ihm ebenso wichtig wie die Genesung seiner Patientinnen und Patienten.

MEDIZINISCHE HILFE. Mit befreundeten Ärztinnen, Ärzten und Krankenschwestern gründete er 1992 «Medi Cuba». Das Ziel: Unterstützung des kubanischen Gesundheitssektors, der – wie das ganze Land – unter dem Embargo der USA leidet. Heute ist die Organisation in 14 europäischen Staaten aktiv. Präsident von «Medi Cuba Europe» ist der unermüdliche Franco Cavalli.

Am Mittwoch, dem 13. Mai dieses Jahres, strahlte das Westschweizer Radio zur besten Sendezeit einen Bericht zur Arbeit der kubanischen Ärzte in den verschiedensten Ländern der Welt aus.

Die internationale Solidarität ist ein Grund­pfeiler der kubanischen Revolution. Sie wird unter andern ausgeübt von Medizinerinnen und Medizinern. Das kubanische Gesundheitssystem ist eines der besten der Welt. Ich kann davon Zeugnis ablegen. Im Juli 2017 wurde ich bei einem Besuch in Kuba wegen unbekannter Bakterien plötzlich schwer krank. Im Spital Cira Garcia in Havanna erhielt ich eine Bluttrans­fusion, die mir das Leben gerettet hat. Nun fliesst kubanisches Blut in meinen Adern. Ich hoffe nur, der Spender sei kein dumpfer Bürokrat gewesen.

Als Uno-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung traf ich kubanische Ärztinnen und Ärzte in den trostlosesten Gegenden der Welt. Sie kümmerten sich um die Ärmsten, in den Slums von Bangladesh, in der Mongolei oder in Guatemala. In Havanna gibt es lange Warte­listen. Zu Tausenden wollen Ärztinnen und Ärzte an der medizinischen Solidarität teilnehmen.

    Zu Tausenden wollen kubanische Ärztinnen und Ärzte an der weltweiten medizinischen Solidarität teilnehmen.

VERLOGEN UND DUMM. Im Westschweizer Radio erklärte ein Journalist, die kubanischen Ärzte seien «Sklaven». Sie erhielten nur einen Hungerlohn, umso mehr fliesse an die kubanische Regierung, die sich an ihnen bereichere und in Saus und Braus lebe.

Diese Verleumdung wurde ursprünglich vom US-Geheimdienst CIA in die Welt gesetzt, der im vergangenen April eine internationale Kampagne gegen die medizinische Hilfe Kubas startete.

Die Frage stellt sich: Entstand der verlogene Radiobericht durch den Einfluss CIA-naher Meinungsmacher oder durch die himmelschreiende Dummheit eines einzelnen Journalisten?

Gegen den Lügenbericht haben Franco Cavalli, Dick Marty und andere Klage bei der Aufsichtsbehörde eingereicht. Artikel 4 des Radio- und Fernsehgesetzes verpflichtet die Sender zur wahrheitsgemässen Darstellung der Ereignisse. Unsere Hoffnung: dass die Verleumdungskampagne des Westschweizer Radios gestoppt wird und dass die Behörde eine den Tatsachen entsprechende Darstellung der Arbeit der kubanischen Ärztinnen und Ärzte verlangt.

Jean Ziegler ist Soziologe, Vizepräsident des beratenden Ausschusses des Uno-Menschenrechtsrates und Autor. Sein neustes Buch ist: Die Schande Europas. Von Flüchtlingen und Menschenrechten.

 
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