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«Kein Pardon, ihr Hurensöhne!»
17.11.2013 | 14:18 Uhr

Kolumbien: Paramilitärs töten Gewerkschafter:

In Kolumbien wehren sich Nestlé-Fabrikarbeiter gegen Lohndumping. Das
kostete einen von ihnen das Leben. Kein Einzelfall.

Am Abend des 9. November ermordeten Unbekannte im kolumbianischen Bugalagrande den 61jährigen Gewerkschafter Oscar López Trivino. Mit vier Schüssen streckten sie ihn nieder. 25 Jahre lang hatte Trivino in der Nestlé-Fabrik im Ort gearbeitet. Und er hatte sich in der Lebensmittelgewerkschaft Sinaltrainal engagiert. Das war wohl sein Verhängnis.

MEHRERE MORDOPFER

Gewerkschafter leben gefährlich in Kolumbien. Rechte Paramilitärs machen gezielt Jagd auf sie. Einschüchterungsversuche und Attentate sind an der Tagesordnung. Die Schweizer Organisation Multiwatch beobachtet die Situation seit Jahren. Sie schreibt, López Trivino sei bereits der 15. ermordete Nestlé-Gewerkschafter.

Die Nestlé-Fabrik von Bugalagrande ist eine der grössten Lebensmittel-fabriken Lateinamerikas. Seit Herbst 2012 herrscht hier Arbeitskampf. Die Gewerkschaft Sinaltrainal wirft Nestlé vor, den Gesamtarbeitsvertrag nicht umzusetzen. Der Konzern drücke die Löhne mittels vertragswidrig beschäftigter Temporärarbeiter und bezahle neuen Angestellten bis zu 39 Prozent weniger Lohn. Die Gewerkschaft wehrte sich mit mehreren Streiks. Die Auseinandersetzung eskalierte: Ende Oktober soll der Präsident von Nestlé Kolumbien, Manuel Andres Kornprobst, veranlasst haben, dass in allen Fabriken Flugblätter aushängen, auf denen er Sinal-trainal als Saboteure bezeichnete.

Multiwatch kritisierte, solche Beschuldigungen könnten «Gewerkschafter zur Zielscheibe von Paramilitärs» machen. Sinaltrainal berichtet, mehrere ihrer Aktivisten erhielten in der Folge Droh-SMS: «Hurensöhne, die ihr noch immer Nestlé belästigt: Jetzt gibt's kein Pardon mehr!» Unterzeichnet von rechten Paramilitärs.

Am 5. November traten vier Nestlé-Fabrikarbeiter in Bugalagrande in den Hungerstreik. Zudem lancierte Multiwatch eine Petition: Nestlé solle den Gesamtarbeitsvertrag einhalten. Ausserdem müsse der Konzern die gefährdeten Gewerkschafter schützen statt diffamieren. Auch 20 Schweizer Parlamentarier von SP und Grünen unterzeichneten das Anliegen.

PRIORITÄT WOHLERGEHEN

Nestlé stritt alle Vorwürfe ab. In einer Antwort an Multiwatch schrieb der Konzernsprecher Christian Frutiger am 8.November: «Die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Arbeiter und ihrer Familien ist eine Top-Priorität von Nestlé.» Der Konzern habe Massnahmen ergriffen, um bedrohte Arbeiter zu schützen. Einen Tag später war Gewerkschafter Oscar Lopez Trivino tot. Jetzt bedauert Nestlé und hofft, die Ermittlungen würden zur «Festnahme jener führen, die die Nestlé-Familie in Trauer gestürzt» hätten.

Work - die Zeitung der Gewerkschaft Unia, 15.11.2013

http://www.aargauerzeitung.ch/panorama/vermischtes/nestl-arbeiter-nach-hungerstreik-in-kolumbien-ermordet-127366060



Link:  mehr auch in der Aargauer Zeitung

 
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