Streik Zeitung

16.09.2021

Wie können sie nur ...

... wie sollen sie sonst?

Nicht selten hörte man dieser Tage Empörung darüber, wie die GDL
nur streiken kann. Die ersten rufen gar schon zur Einschränkung des
Streikrechts auf. Dabei ist das Streikrecht ein Grundrecht. Wie
sonst soll man verhandeln. Mit der Arbeitsniederlegung zeigen Be-
schäftigte, was ihre Arbeit wert ist und entfalten ihre Macht. Oft fan-
gen Unternehmen und die Öffentlichkeit erst an zuzuhören und die
Anliegen ernst zu nehmen, wenn diese Arbeit fehlt. Erst der Streik im
Sommer beim Lieferdienst Gorillas brachte vielen ins Bewusstsein,
dass die Pizza nicht von allein kommt, sondern Menschen davon
leben müssen. In Berlin streikt gerade das Krankenhauspersonal,
damit es nicht nur beklatscht, sondern auch anständig entlohnt wird.
Ohne gute Arbeit wird der Personalmangel kein Ende finden. Ohne
Streik könnten die Beschäftigten in der Lebensmittelproduktion in Ost-
deutschland auf die Lohnangleichung noch Jahrhunderte warten.
Beim Autozulieferer Dräxlmaier in Sachsenheim bei Stuttgart gingen
die Beschäftigten im September das erste Mal mit der IG Metall
vors Tor, um einen Tarifvertrag zu erkämpfen. Nur durch die beharrli-
chen Streiks bei Amazon wird Licht auf die Wirklichkeit in den Versand-
zentren geworfen. Verbesserungen wurden erkämpft, international
vernetzen sich die Streikenden, um dem Onlinehändler Zugeständnis-
se abzutrotzen. Erst durch Streiks wurden viele Rechte in der Ar-
beitswelt erkämpft. Streik erfordert Mut. Er ist ein notwendiges Mittel
und sollte ein selbstverständliches sein. Gerade in einer Zeit, in der
Unternehmen mit immer perfideren Methoden gegen gewerkschaftlich Aktive vorgehen und sich Unternehmen sogar auf die Zerschlagung von Betriebsräten und Gewerkschaften spezialisieren. Im Streik sollten wir daher zusammen-
stehen, als Beschäftigte, Patientinnen und Patienten – und auch als
Fahrgäste. Denn als solche ist es auch in unserem Interesse, dass
Arbeitsbedingungen nicht krank machen und Löhne zum Leben
reichen. Sonst ist der nächste Personalmangel vorprogrammiert
– und dann fährt wirklich keine Bahn mehr. Dabei brauchen wir sie
dringend für die Verkehrswende.

Und auch in dieser gesellschaftlichen Auseinandersetzung ist Streik
kein Fremdwort. Die Klimakatastrophe ist schließlich erst ins
Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit gerückt, als Schülerinnen und
Schüler entschieden am Freitag für ihre Zukunft auf die Straße statt
in die Schule zu gehen. Am 24. September 2021 gibt es übrigens
deutschlandweit den nächsten Aktionstag von Fridays for Future.

Violetta Bock

 
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Termine für den Zeitraum September 2021 bis November 2022

Oktober 2021
Datum Uhrzeit Ort Thema Referent
31.10.2021 Lützerath, NRW Grossdemonstration für den Erhalt von Lützerath, gegen den Braunkohleabbau und Dorfvernichtung
30.10.2021 13 Köln, Friesenplatz Versammlungsgesetz NRW stoppen!

Grundrechte erhalten

VERSAMMLUNGSGESETZ NRW STOPPEN!
GRUNDRECHTE ERHAL
November 2021
Datum Uhrzeit Ort Thema Referent
19.11.2021 München Aktionstag Bosch München
28.11.2021 12 - 19 Lützerath, Rheinland Braunkohlegebiet Gegen Braunkohleabbau und die Zerstörung des Dorfes Lützerath. Heute mit Glühwein.
Dezember 2021
Datum Uhrzeit Ort Thema Referent
05.12.2021 Lützerath, Rheinland Braunkohlegebiet Dorfspaziergang mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerlichen Landwirtschaft
 

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