Interpol Pharmamillionen für die internationale Polizeiarbeit
Die Pharmaindustrie versucht zunehmend Einfluss auf die Arbeit von Polizei und Zoll auszuüben. Dafür wird schon mal Interpol in Lyon gesponsert.
Von Robert Schmidt und Mathieu Martiniere, Lyon
Es ist eine dieser Nachrichten, die man leicht übersieht. Auf Anregung des Pharmakonzerns Glaxo Smith Kline hielten die niederländischen Zollbehörden im November 2008 in Amsterdam 49 Kilogramm indische Aidsmedikamente zurück. Die günstigen Generikaprodukte waren für PatientInnen in Nigeria bestimmt. Sowohl in Indien als auch in Nigeria waren die Medikamente zugelassen, die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte ihre Qualität sogar durch Tests bestätigt. Doch Glaxo Smith Kline hatte offensichtlich ein Interesse an der verzögerten Auslieferung, denn die Nachahmerprodukte waren günstige Kopien der eigenen teuren Präparate. «Jeder gewonnene Tag beziffert sich für die Pharmaindustrie in Millionen von Franken», sagt dazu Patrick Durisch von der Organisation Erklärung von Bern. In der Zwischenzeit, so Durisch, müssten die PatientInnen die Produkte der Originalhersteller kaufen.
Der Vorfall in Amsterdam ist kein Einzelfall: Im November 2009 wurde in Rotterdam einen Monat lang die Lieferung eines Blutdruckmedikaments für 300 000 brasilianische PatientInnen gestoppt, ein Jahr später wurden in Frankfurt drei Millionen Tabletten eines Antibiotikums blockiert. Jedes Mal war es ein grosses Pharmaunternehmen, das die Lieferung verzögert hatte. Und der Einfluss der Pharmaindustrie auf Polizei und Zollbehörden nimmt weiter zu. Im März dieses Jahres wurde bekannt, dass 29 grosse Pharmakonzerne der internationalen Polizeiagentur Interpol zusammen eine Spende von 4,5 Millionen Euro zukommen lassen.
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