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Die AG Erwerbslosenratschlag des Wuppertaler Sozialforums ruft zum Agenturschluss in Wuppertal auf.
Der Wuppertaler Treffpunkt ist am 3.1.05: 8:00 Uhr Hünefeldstraße vor dem Arbeitsamt!!!
Wir werden den 1. Tag der Hartz-Gesetze zusammen mit 35 anderen Städten in Ost und West angemessen mit einer Erwerbslosenversammlung im Arbeitsamt, mit flotter Rockmusik, mit Redebeiträgen von GewerkschafterInnen zu den Entlassungswellen in Wuppertal und vielen Überraschungen begehen. Wir freuen uns wie immer auf sachkundige Beiträge auch der Beschäftigten des Arbeitsamtes, auch die Presseverantwortliche Frau Arndt Duwe sollte etwas mutiger werden...
Schwerpunkt der Versammlung werden die Kampagne "BürgerInnen beobachten die FallmanagerInnen" und die Widerstandsmöglichkeiten gegen die Ein Euro Jobs sein. Wir werden in den Räumen des Arbeitsamtes unser neues Internetforum gegen Schikanen und Ämterwillkür der geneigten Öffentlichkeit vorstellen, es wird ein Notfalltelefon. und einen Beschwerdebriefkasten geben.
Agenturschluss kann nur der Auftakt unseres Widerstandes sein...
Das passende Transparent zur Aktion
und das passende T- Shirt und DU !
In zahlreichen Städten soll am 3. Januar 2005
die Arbeitsagentur "geschlossen" werden.
Die bundesweite Initiative Agenturschluss will in mehr als 30 Städten den Betrieb
der Arbeitsagenturen an diesem ersten Tag der "Gültigkeit"
von Hartz IV lahmlegen. Mit der Schliessung wenden sich Betroffene und
(noch) Nicht-Betroffene gegen die Verarmungs- und Disziplinierungsoffensive
der Bundesregierung und gegen die Umsetzung dieses sozialen Angriffs durch die
Arbeitsagenturen und Jobcenter. Während der Belagerung der Behörde wollen die
AktivistInnen "vor Ort" über Widerstand und Perspektiven jenseits des Zwangs zur
Arbeit beraten. Dabei sollen die Beschäftigten der Arbeitsagentur explizit mit
einbezogen werden.
In einem Schreiben an die MitarbeiterInnen erinnert
agenturschluss an deren persönliche Verantwortung.
Agenturschluss
unterstützt und ermutigt die MitarbeiterInnen, die sich intern ebenfalls
gegen die entwürdigende Verfolgungsbetreuung
zur Wehr setzen wollen.
Umgekehrt haben mehrere Initiativen bereits angekündigt, die Verhältnisse in
den Agenturen genau zu beobachten:
Anonyme Foren und Anlaufstellen sollen
eingerichtet werden, um direkt und angemessen auf FallmanagerInnen zu
reagieren, die ihren Spielraum "nutzen", um Erwerbslose zu schikanieren, in
1 Euro Jobs zu zwingen, Kürzungen und Sperrfristen zu verhängen, oder gar
Wohnungsräumungen anzuordnen.
Agenturschluss - praktisch
Wir
wollen in die Arbeitsagentur. Das ist unser, öffentlicher Ort, an dem wir
die Auseinandersetzung um Hartz IV führen wollen. Hier werden wir die ausführende Institution des sozialen Angriffs mit unserem Protest und
unserem Ungehorsam konfrontieren. Hier wollen wir uns austauschen, beraten, verabreden. Natürlich werden die Agenturen vielerorts von
unserem Besuch nicht überrascht sein. Denkbar ist, dass sie sich der Auseinandsetzung (vermeintlich) zu entziehen suchen und uns mit Polizei
und privaten Sicherheitskräften den Zutritt versperren.
Dies kann in
Form einer totalen Schliessung der Agentur geschehen (dann wäre ein Teil
unserer Arbeit erledigt) oder teilweise: es kommt
nur rein, wer eine
konkrete Amtsangelegenheit, einen Termin oder sonstiges konkretes Anliegen
hat(das haben wir natürlich).
Es ist aber sehr wohl möglich, dass wir
problemlos (wie in mehreren Städten bei ebenfalls angekündigten
Veranstaltungen geschehen)
ins Foyer der Agentur gelangen und dort eine
Versammlung abhalten, die MitarbeiterInnen einbeziehen, unsere Vorstellungen
und unsere
Ablehnung deutlich kundtun. In allen drei Szenarien ist es
ratsam, eine Stelle vor Ort einzurichten, die (bald) Erwerbslosen ihr
Erscheinen
vor/ in der Behörde schriftlich bestätigt.
Das wird wichtig
falls die Agentur ihre Arbeitsunfähigkeit an diesem Tag nachträglich gegen
Betroffene mit Terminangelegenheiten wenden sollte.
Damit Interessierte aus
umliegenden Städten an Eurer Aktion teilnehmen können - Setzt Uhrzeit und
Treffpunkt Eures Agenturschluss per mail an
agentur_schluss@yahoo.com
Agenturschluss - Anregungen
Es folgt eine Zusammenstellung von
Ideen, Themen für Beiträge und Diskussionen und Angebote verschiedener
Städte:
- Hinweis auf anonymes Forum zur Dokumentation von Schikanierungen
- unabhängige Erwerbslosenberatung an diesem Tag vor Ort
- offenes
Treffen zur weiteren Selbstorganisierung anbieten
- Durchführung einer
Vollversammlung von Erwerbslosen und prekär Beschäftigten
-
Redebeiträge/Diskussionen zu Entwicklung des Sozialstaats,
1 Euro Jobs
(Rolle der Wohlfahrtsverbände, Disziplinierung,
Lohndumping, Verdrängung,
...), spezifische Konsequenzen
für Flüchtlinge und MigrantInnen
Widerstandsmöglichkeiten
bei Wohnungsräumungen (wegen "unangemessener"
Miethöhe/Größe)
Agenturschluss - Einwände
Da Agenturschluss
mittlerweile eine sehr erfreuliche Popularität besitzt, fühlten sich auch
GegnerInnen der Aktion genötigt, gegen Agenturschluss Stellung zu beziehen.
Hier die am häufigsten genannten Anfeindungen:
a) "Ihr solltet lieber zu
den politisch Verantwortlichen gehen!
Die Arbeitsagenturen haben die
Hartz-Gesetze doch nicht gemacht."
--> Agenturschluss greift sowohl die
gesetzgebende Unsozialpolitik als auch deren Umsetzung an. Wir legen den
Ort, an dem wir unser Nein artikulieren bewusst dorthin, wo wir schikaniert,
unwürdig diszipliniert und unseres Auskommens beraubt werden.
b)
verdi-Chef Bsirske: Schutz der (von verdi gewerkschaftlich vertretenen)
Beschäftigten der Arbeitsagenturen vor agenturschluss
--> Es ist
bedauerlich, dass die Gewerkschaftsführung reflexartig eine populistische
"Mitgliederfürsorge" über die Möglichkeit einer politischen Unterstützung
sozialer Proteste stellt. Dies ist allerdings keineswegs einhellige Meinung
unter den Mitgliedern (siehe auch
http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/zwang/
agenturschlussdebatte.html )
Auf einer öffentlichen Veranstaltung am
16.11. in Essen kritisierten verdi-Aktive lautstark diese unpolitische
Haltung ihres auf dem Podium
vertretenen NRW-Landesvorstands.
c)
"Die Forderung nach Schliessung der Agenturen leistet der neoliberalen Forderung nach Privatisierung der Arbeitsvermittlung Vorschub"
-->
Agenturschluss will die Agenturen nicht zu Gunsten privater Vermittler
schliessen.
Es wäre allerdings eine politisch sehr fragwürdige Perspektive,
wenn wir uns nur deshalb mit dem Auftrag und der Praxis dieser Behörde
arrangieren - ja sie gar konservieren, weil rechte Kräfte den Sozialabbau weiter beschleunigen wollen. In unserer Perspektive kümmern sich diejenigen,
die auf der Suche nach einer gesellschaftlich sinnvollen Tätigkeit
sind,selbstorganisiert darum.
Dazu braucht es nun wirklich
keineVerfolgungsbetreuung.
Pressearbeit:
Die meisten Gruppen
betreiben regionale Pressearbeit im Vorfeld und am 3. Januar. Zusätzlich
gibt es eine Pressegruppe, die Beiträge über regionale Aktivitäten sammelt
und in einer Gesamtübersicht an die überregionale Presse weitergibt. Umgekehrt
stellt sie bei Anfragen (sofern gewünscht) den Kontakt zu einem Pressetelefon
der jeweiligen Gruppe vor Ort her.
Am 3. Januar wird mittags eine
zusammenfassende bundesweite Erklärung rausgegeben.
Schickt daher im
Vorfeld eine Presse-Telefonnummer für Eure Stadt an
agentur_schluss@yahoo.com
Meldet
Euch am 3. Januar bis 11 Uhr mit einem Kurzbericht telefonisch von vor Ort
beim Pressebüro in Berlin 0162 - 350 6859
und/ oder schreibt einen
Kurzbericht auf Indymedia.
Bundesweite Presseerklärung:
Presseerklärung der Initiative Agenturschluss 3. Januar 2005
Proteste
gegen Hartz IV in Ost und West werden in über 30 Städten
radikaler - und
anders
"Agenturschluss" mit dieser direkten Protestaktion sollen am
Montag, den 3.1.2005 in über 30 Städten Arbeitsagenturen an
der Umsetzung
von Hartz IV gehindert werden. Aktionen werden in Aachen,Bremen, Berlin,
Bielefeld, Bonn, Bochum,Dortmund,
Duisburg, Erfurt, Eberswalde, Frankfurt,
Göttingen, Hamburg, Hannover, Kassel, Kiel, Köln, Leipzig, Lübeck,
Luckenwalde,
Magdeburg, Mainz, München,Nürnberg, Oberhausen, Osnabrück, Reutlingen, Sondershausen, Tübingen, Worms, Wuppertal, Wittenberg,
Zeitz
stattfinden.
Am 3.1.2005 tritt Hartz IV bundesweit in Kraft.
An
diesem Tag wird die Disziplinierung, Entrechtung und Entwürdigung durch
Hartz IV für Millionen unmittelbar betroffener Er-werbsloser
bittere
Realität. Die so genannten Arbeitsmarktreformen der rot-grünen
Bundesregierung werden an diesem Tag zum ersten Mal
von den Arbeitsagenturen
der Republik umgesetzt.
In mehr als 30 Städten haben sich
Erwerbsloseninitiativen, lokale Sozialforen, Sozial-bündnisse der
MontagsdemonstrantInnen
und andere sozialpolitische aktive Gruppen
zusammengeschlossen, um gemeinsam die Umsetzung der Hartz IV-Bestimmungen an
diesem Tag zu stören und zu verhindern.
"Unser Protest richtet sich
gegen die Funktion der Arbeitsagenturen als Zurichtungs- und Zwangsanstalten
des Arbeitsmarktes,
nicht gegen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
betonen die InitiatorInnen der Aktionen. Mit diesen Agenturschlussaktionen
soll
mehr als ein nur symbolischer Protest artikuliert werden.
Der
Betrieb dieser Zurichtungsanstalten soll durch kreative und phantasievolle
Protestaktionen, klassische Kundgebungen,
Blockaden und Besetzungen
weitestgehend unterbunden werden.
Die Variationen der Aktionsformen reichen
von
- Hinweisen auf alternative Erwerbslosenberatung,
- solidarischen
Konzerten für Erwerbslose,
- ironischem Sektempfang für die zukünftigen
ALG-II-BezieherInnen,
- klassischen Demonstrationen über
- symbolische
Sozialstaatsbeerdigungen bis hin zu
- Besetzung- und Störaktionen in den
Ämtern selbst.
In seiner Entschiedenheit und Vielfältigkeit in Ost und West
markiert der Agenturschluss den Beginn einer neuen Qualität der Hartz IV
Proteste.
Materialien:
* Aufruf, Debatten, ...
http://www.labournet.de/agenturschluss
* Flugblatt an die Beschäftigten der Arbeitsagenturen:
http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/aktionen/agentur-
kollegen.pdf pdf-Datei
* offenes, anonymes InternetForum (für
Erwerbslose /
für AgenturmitarbeiterInnen)
http://labournet.de/phpbb/viewforum.php?f=4
* Plakate am besten downladen und hochkopieren
e-Mail:: agentur_schluss@yahoo.com |
im Ruhrgebiet unterwegs - Tante Elfriede