Granma und Juventud Rebelde haben neue Chefredakteure. Starke interne Kritik an bisheriger Ausrichtung des kubanischen Journalismus
Havanna. Am neunten Oktober sind die Chefredakteursposten der auflagenstärksten und einflussreichsten kubanischen Tageszeitungen Granma und Juventud Rebelde neu besetzt worden. Der bisherige Chefredakteur der Granma, Lázaro Barredo Medina, wurde nach acht Jahren im Amt auf Druck des Politbüros von Pelayo Terry, dem bisherigen Chef der Juventud Rebelde abgelöst. Seinen Posten übernimmt Marina Ménendez.Sie war zuvor Vizechefin von Juventud Rebelde.
Auf der Parlamentssitzung im Juli dieses Jahres war bereits das Thema der Erneuerung der Presse angesprochen worden. Kubas Vizepräsident Miguel Díaz-Canel sagte dort gegenüber Journalisten, dass man mit Erscheinungen wie "falscher Einstimmigkeit, Heimlichtuerei und Vorenthaltung von Informationen Schluss machen müsse". Bereits zuvor hatte Raúl Castro den "Triumphalismus" und die überbordende Apologetik der staatlichen Medien kritisiert.
Im Februar 2012 sagte er auf dem Konvent der Kommunistischen Partei Kubas, der PCC, dass Meinungsverschiedenheiten auch in den Massenmedien mit Respekt ausgetragen werden sollten. Diese werden sich laut Raúl "verantwortungsvoll und mit strikter Wahrheitsliebe diese Aufgabe widmen müssen". Dies solle aber "nicht im bürgerlichen Stil, voller Sensationsgier und Lügen, sondern mit geprüfter Objektivität und ohne unnütze Geheimniskrämerei" geschehen.
Die Kritik am überschwänglichen Stil, insbesondere der Granma, hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Wohl auch deshalb, weil Terry seit längerer Zeit in der Juventud Rebelde mit investigativen Artikeln, Kommentarfunktion, moderner Homepage und Integration sozialer Netzwerke zeigen konnte, dass es auch anders geht.
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