:: BaSo´s  internationale News ::

Blei in eurer Brust
05.08.2013 | 09:35 Uhr

Blei in eurer Brust - Mitglied von Pax Christi in Kolumbien mit dem Tod bedroht

Die Kommission Solidarität Eine Welt informiert darüber, dass Hernando Mejia, Koordinator der Pax Christi Gruppe in Barrancabermeja / Kolumbien eine schriftliche Todesdrohung erhalten hat. Sie stammt von einer der paramilitärischen Organisationen, die zurzeit die Stadt von Menschen und Organisationen „säubern“ wollen, die ihrem Machtanspruch im Wege stehen. Hernando und der mitgenannte David Espinos setzen sich im Geiste Christi für Gewaltfreiheit, Frieden und Menschenrechte ein. Die Kommission bittet um Unterstützung der angegebenen Aktion.

Bedrohung
Am frühen Morgen des 24.7. 2013 fanden unsere Partner in Kolumbien in ihrer Wohnung ein Schreiben der „RASTROJOS COMANDOS URABENOS“ vor, in dem es heißt, dass sie „subversive Führer“ suchen, die „Gehirnwäsche machen in den Vierteln der Stadt“ und ihren „Kampf um die Macht in den Vierteln der Stadt“ behindern. „Ihr werdet die Konsequenzen sehen, wenn ihr nicht in zwei Tagen verschwindet oder bald Blei in eurer Brust haben, ihr beiden Hurensöhne, Ratten.“ Zuvor war er bereits telefonisch von der derselben Gruppe bedroht worden.

Unsere Partner
Hernando Mejia hat von 2000 bis 2002 mit Christine Klissenbauer zusammengearbeitet, als sie für Pax Christi als Friedensarbeiterin in Barrancabermeja tätig war. 2003 hat er mit einigen weiteren jungen Leuten eine Pax Christi Gruppe in Barrancabermaja gegründet. Sie wurde von der Bistumsstelle Pax Christi Köln kooptiert. Sehr engagiert arbeitet die kleine Gruppe vor allem mit Kindern und Jugendlichen in Armenvierteln der Stadt in den Bereichen Menschenrechte, gewaltfreier Widerstand und Bildung. Sie unterhält gute Kontakte zu Homosexuellen und Kriegsdienstverweigerern aus Gewissensgründen, die besonders bedroht sind. Anlaufstelle ist das Internetcafé, das sie mit finanzieller Unterstützung des Päpstlichem Missionswerkes aufbauen konnte. Hernando Mejia ist Theologe und arbeitet auch aktiv in der Kirchengemeinde mit. Einige Pax Christi-Mitglieder hier bei uns haben ihn persönlich kennengelernt, als er 2004 zusammen mit Ines Amaris zum Pax Christi Kongress in Bad Honnef eingeladen worden war. Dass Hernando und seine MitarbeiterInnen in ihrer Arbeit vor Ort offen über die sie umgebenden Probleme und deren Ursachen sprechen und sich kritisch mit dem offiziellen Diskurs auseinandersetzen, macht sie in den Augen der Herrschenden zu Subversiven, die zum Schweigen gebracht werden müssen.

Zum Kontext
Nach offiziellem Diskurs sind die Paramilitärs nach sogenannten Friedensverhandlungen demobilisiert worden. Unter andern Namen wie in diesem Falle „RASTROJOS COMANDOS URABENOS“ treiben sie die schmutzige Unterwerfungs- und Unterdrückungsarbeit im Interesse korrupter Mächtiger weiter. Laut Regierung gibt es keine Paramilitärs mehr, sondern nur noch kriminelle Banden (BACRIM), für die sich dann die offiziellen Stellen nicht mehr verantworten müssen. Die weiterhin schwierige soziale und Menschenrechtslage wird beschönigt und die Regierung versucht, ein positives Image nach außen zu vermitteln. Doch ist Kolumbien bis heute kein demokratischer Rechtsstaat, da weiterhin extreme Straflosigkeit für schwerste Verbrechen vorherrscht und Einschüchterung, Vertreibung, gewaltsames Verschwinden und Mord weiterhin insbesondere Menschen trifft, die sich für Frieden, Gerechtigkeit und ein Leben in Würde einsetzen.

Was tun?
Hernando und David haben die Bedrohungen bei der zuständigen Behörde „Fiscalia“ angezeigt. In der Nachbarschaft, beim Pfarrer und der Kirchengemeinde sowie bei weiteren Gruppen dort finden sie Unterstützung und Begleitung, soweit sie nicht selbst bedroht sind.

Wir sind in Telefon- und e-mail-Kontakt mit unseren Partnern und helfen, für sie Öffentlichkeit zu organisieren. Wir bitten Euch / Sie, bei den aktuellen Urgent Actions von Amnesty International für die beiden mitzumachen. http://www.amnesty.org/en/library/info/AMR23/034/2013/en (englisch)
http://www.amnesty.de/urgent-action/ua-203-2013/menschenrechtsverteidiger-bedroht?destination=node%2F5309%3Fsupport_type%3D%26node_type%3D%26country%3D193%26topic%3D%26visibility_state%3Dpublic%26from_month%3D0%26from_year%3D%26to_month%3D0%26to_year%3D%26submit_x %3D34%26submit_y%3D3%26result_limit%3D10%26form_id%3Dai_core_search_form (deutsch)




 
vorige News
zurück zur Übersicht                              nächste News