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Der Mord in La Higuera

31.10.2017

Es geschah vor 50 Jahren. Félix Rodríguez, ein nordamerikanischer CIA-Agent kubanischer Abstammung, betrat das verdunkelte Klassenzimmer der Schule von La Higuera, einem kleinen Dorf in den kargen Bergen des südlichen Bolivien. Der schwerverletzte Gefangene lag gefesselt auf einem Holztisch. Rodríguez sagte gemäss seinen später veröffentlichten Memoiren: «Wir haben den Befehl erhalten, dich zu erschiessen.» Der Gefangene soll geantwortet haben: «Nie hätte ich lebend in eure Hände fallen dürfen. Aber jetzt ist alles gut.» Hinter Rodríguez stand Mario Terán, ein junger, völlig betrunkener Unteroffi zier der bolivianischen Ranger, einer Elitetruppe. Er exekutierte den Gefangenen. Der argentinische Arzt und Kommandant der bolivianischen Befreiungsarmee, Ernesto Guevara de la Serna, genannt Che, starb im Morgengrauen des 9. Oktober 1967.

FIDELS VERGELTUNG. Dieser Tage finden in vielen Universitäten und Gewerkschaftszentralen Feiern statt, im Gedenken an das militärische und politische Wirken und an die Revolutionstheorien des «Guerrillero Heroico». Noch wenig bekannt ist die kubanische Vergeltung. Fidel hatte geschworen, dass keiner, der für die Ermordung seines Freundes verantwortlich war, lebend davonkommen sollte. Der bolivianische Diktator und Luftwaffengeneral René Barrientos verbrannte bei einem Hubschrauberabsturz. General Alfredo Ovando, der zweite Mann des Barrientos-Regimes, wurde exekutiert. Der Geheimdienstchef Roberto Pereira liess sich – gejagt von Angst – zum Generalkonsul in Hamburg ernennen. Am 1. April 1971 wurde er in seinem Büro erschossen. Nur Hauptmann Garry Prado, der Befehlshaber der Ranger-Truppe, die Che gefangen hatte, entging dem Tod. Die kubanischen Rächer stellten ihn eines Abends in Santa Cruz, der bolivianischen Tiefl andmetropole. Sie schossen auf ihn. Seither ist er vollständig gelähmt.

SOLIDARITÄT. Ches Wirken und sein Tod begründeten die internationale Solidarität der kubanischen Revolution. Ein einziges Beispiel: Zehn Jahre nach Ches Ermordung kämpften 15 000 kubanische Soldaten gegen eine südafrikanische Invasionsarmee in Angola. Ihr Sieg beschleunigte den Sturz der weissen Rassendiktatur in Südafrika und die Befreiung Mandelas.

SCHWEIZER WAFFEN. Was niemand vergessen sollte: Che wurde mit einem Schweizer Sturmgewehr erschossen. Die bolivianischen Ranger waren damit ausgerüstet. Der Bundesrat hatte der Firma SIG Schaffhausen die Exportbewilligung erteilt, weil – so die Begründung des damaligen Schweizer Botschafters in La Paz – Bolivien Ende der sechziger Jahre keinen Krieg führte, sondern nur «Bandenunwesen» bekämpfte.

Jean Ziegler ist Soziologe, Vizepräsident des beratenden Ausschusses des Uno-Menschenrechtsrates und Autor. Sein neuestes Buch, «Der schmale Grat der Hoffnung», ist im März 2017 auf deutsch erschienen.

 

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