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Solidarität als Verbrechen?

08.06.2018

Dietrich Bonhoeffer war ein junger lutheranischer Pfarrer in Deutschland. Er gehörte zu den Gründern der oppositionellen Bekennenden Kirche. Die Nazi-Monster verhafteten ihn 1943 und erhängten ihn am 9. April 1945 im Konzentrations­lager Flossenbürg. Ihm wird der Satz zugeschrieben: «Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht.»

Heute mehr denn je ist in Europa dieser Satz von beklemmender Aktualität.

BASTIEN, THEO UND ELEONORA. Ein Beispiel: In der Nacht zum 22. April verhafteten schwerbewaffnete französische Polizisten die zwei Genfer Studenten Bastien und Theo sowie ihre italienische Kommilitonin Eleonora in der südfranzösischen Stadt Briançon. An Händen und Füssen gefesselt, wurden sie ins Zentralgefängnis von Marseille übergeführt. Der zuständige Staatsanwalt verklagte sie auf der Grundlage des neuen Antiflüchtlingsgesetzes von Präsident Emanuel Macron. Danach wird mit Gefängnis bestraft, wer einem fremden Staatsangehörigen bei der illegalen Überschreitung der französischen Grenze hilft.

Im Département Hautes-Alpes, im Gebirgsmassiv, das Italien von Frankreich trennt, versuchen seit Monaten Flüchtlingsfamilien aus Syrien, dem Irak, aus Afghanistan oder dem Sudan, über Gletscher und Schneefelder nach Frankreich zu gelangen. Sie entfliehen den hoffnungslos überfüllten Lagern in ­Italien. Immer wieder entdecken Bauern und Schafhirten der Region halbverhungerte Familien. Dorfbewohner haben deshalb Hilfskolonnen organisiert, die nachts im Massiv unterwegs sind, um Flüchtlinge zu retten.

    «Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht.»

Eine solche Rettungsaktion, an der auch Bastien, Theo und Eleonora teilnahmen, stiess in den Felshängen oberhalb der Ski­station Montgenèvre auf über 30 Flüchtlinge. Sie wurden in den umliegenden Dörfern aufgenommen und verpflegt. Im nahen Briançon organisierte die Polizei daraufhin eine Razzia und verhaftete die drei.

PAPON ODER MOULIN. Diese Verhaftung mo­bilisierte Unterstützungskomitees in ganz Frankreich. Der Präsident der Hilfsbewegung «Tous migrants» («Wir sind alle Migranten») bringt das Problem auf den Punkt: «Frankreich muss sich jetzt entscheiden zwischen Maurice Papon und Jean Moulin.» (Tribune de Genève, 4. 5. 2018) Maurice Papon war der nazifreundliche Polizeipräfekt von Bordeaux. Er organisierte 1943 und 1944 den Transport von Juden in deutsche Vernichtungslager. Jean Moulin war der Präsident des nationalen Widerstandsrates. Er wurde 1943 von der Gestapo zu Tode gefoltert.

Der Prozess gegen Bastien, Theo und Eleonora findet am 31. Mai statt. Es hängt von der Mobilisierung der Öffentlichkeit auch in der Schweiz ab, ob die drei im Gefängnis verschwinden oder freigesprochen werden. Fest steht aber schon jetzt: Die drei Gerechten sind die Ehre unseres Kontinents.

Jean Ziegler ist Soziologe, Vizepräsident des beratenden ­Ausschusses des Uno-Menschenrechtsrates und Autor. Sein neuestes Buch, «Der schmale Grat der Hoffnung», ist im März 2017 auf deutsch erschienen.

 
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