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Hegemoniekrise

29.11.2016

Hegemoniekrise
Der italienische Marxist Antonio Gramsci (1891–1937) notierte in den Jahren 1932 bis 1934 in seinen »Gefängnisheften« Überlegungen zum Verhältnis von Klassen und Parteien in Umbruchzeiten
Eine tiefgründige Analyse, die den Aufstieg der AfD, Front National, Trump u.a. besser erklärt, als nur von Demagogie und Populismus und Desinformation in "sozialen" Medien zu schwadronieren

Antonio Gramsci
Beobachtungen über einige Aspekte der Struktur der politischen Parteien in den Zeiten organischer Krise (…). An einem bestimmten Punkt ihres geschichtlichen Lebens lösen sich die gesellschaftlichen Gruppen von ihren traditionellen Parteien, das heißt, die traditionellen Parteien in dieser gegebenen Organisationsform, mit diesen bestimmten Männern, die sie bilden, sie vertreten oder führen, werden von ihrer Klasse oder ihrer Klassenfraktion nicht mehr als ihr Ausdruck anerkannt. Wenn diese Krisen eintreten, wird die unmittelbare Situation heikel und gefährlich, weil das Feld frei ist für die Gewaltlösungen, für die Aktivität obskurer Mächte, repräsentiert durch die Männer der Vorsehung oder mit Charisma.

Wie bilden sich diese Situationen des Zwiespalts zwischen Repräsentierten und Repräsentanten heraus, die sich vom Terrain der Parteien aus (Parteiorganisationen im engeren Sinn, parlamentarisch-wahlbezogenes Feld, journalistische Organisation) im ganzen Staatsorganismus widerspiegeln und die relative Machtposition der (zivilen und militärischen) Bürokratie, der Hochfinanz, der Kirche und allgemein aller von den Fluktuationen der öffentlichen Meinung relativ unabhängigen Organe stärken? In jedem Land ist der Prozess ein anderer, obwohl der Inhalt der gleiche ist. Und der Inhalt ist die Hegemoniekrise der führenden Klasse, die entweder eintritt, weil die führende Klasse in irgendeiner großen politischen Unternehmung gescheitert ist, für die sie den Konsens der großen Massen mit Gewalt gefordert oder durchgesetzt hat (wie der Krieg), oder weil breite Massen (besonders von Bauern und intellektuellen Kleinbürgern) urplötzlich von der politischen Passivität zu einer gewissen Aktivität übergegangen sind und Forderungen stellen, die in ihrer unorganischen Komplexität eine Revolution darstellen. Man spricht von »Autoritätskrise«, und das eben ist die Hegemoniekrise oder Krise des Staates in seiner Gesamtheit.

Die Krise schafft gefährliche unmittelbare Situationen, weil die verschiedenen Bevölkerungsschichten nicht dieselbe Fähigkeit besitzen, sich rasch zu orientieren und sich mit derselben Schnelligkeit zu reorganisieren. Die traditionell führende Klasse, die über ein zahlenmäßig starkes geübtes Personal verfügt, wechselt Menschen und Programme aus und gewinnt die Kontrolle wieder, die ihr mit größerer Geschwindigkeit zu entgleiten im Begriff war, als das bei den subalternen Klassen geschieht; sie bringt womöglich Opfer, setzt sich mit demagogischen Versprechungen einer ungewissen Zukunft aus, behält aber die Macht, verstärkt sie für den Augenblick und bedient sich ihrer, um den Gegner zu zerschmettern und sein Führungspersonal zu zersprengen, das zahlenmäßig nicht sehr stark und sehr geübt sein kann. Das Überwechseln der Truppen vieler Parteien unter die Fahne einer einzigen Partei, welche die Bedürfnisse der Gesamtklasse besser vertritt und zusammenfasst, ist eine organische und normale Erscheinung, auch wenn sein Tempo, verglichen mit ruhigen Zeiten, äußerst schnell und gleichsam blitzartig ist: Es stellt die Verschmelzung einer ganzen gesellschaftlichen Gruppe unter einer einzigen Führung dar, die als einzige für fähig gehalten wird, ein existentiell dominantes Problem zu lösen und eine tödliche Gefahr abzuwenden. Wenn die Krise nicht diese organische Lösung, sondern die des charismatischen Führers findet, bedeutet dies, dass ein statisches Gleichgewicht besteht (dessen Faktoren disparat sein können, in welchem aber die Unreife der fortschrittlichen Kräfte den Ausschlag gibt), das zu überwinden keine Gruppe, weder die konservative noch die fortschrittliche, die für den Sieg erforderliche Kraft hat, und dass auch die konservative Gruppe einen Herrn braucht (vgl. der »18. Brumaire des Louis Bonaparte«) (nach Ansicht der deutschen Herausgeber der »Gefängnishefte« hatte Gramsci wahrscheinlich folgende Passage aus dem »18. Brumaire« von Karl Marx vor Augen: »Frankreich scheint also nur der Despotie einer Klasse entlaufen, um unter die Despotie eines Individuums zurückzufallen, und zwar unter die Autorität eines Individuums ohne Autorität. Der Kampf scheint so geschlichtet, dass alle Klassen gleich machtlos und gleich lautlos vor dem Kolben niederknien.« Karl Marx/Friedrich Engels: Werke, Band 8, Seite 196, jW)

Gefängnishefte, Band 7. Herausgegeben von Klaus Bochmann, Wolfgang Fritz Haug und Peter Jehle unter Mitwirkung von Ruedi Graf und Gerhard Kuck. Argument Verlag, Hamburg 1996, Seiten 1577–1579

 

Foto: CC

 
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