Willkommen bei BaSo-News

Start/News


RSS feed für diese Website
Powered by CMSimpleRealBlog

April 1917

04.04.2017

Der russische Schriftsteller Alexander Solschenizyn schreibt: «Die Revolution, die die Welt aus den Fugen riss, begann im April … und sie begann in der Schweiz.» Das war vor 100 Jahren. An einem sonnigen Aprilmorgen 1917 versammelten sich eine Handvoll russischer Revolutionärinnen und Revolutionäre, aus Genf und Zürich kommend, auf einem Perron in Bern. Unter ihnen: Wladimir Iljitsch Uljanow, Kampfname Lenin, und seine Frau Nadeschda Krupskaja. Der Zug brachte sie nach Schaffhausen. Jenseits der Grenze wartete ein Eisenbahnkonvoi der Deutschen Reichsbahn. Die Reisenden stiegen ein. Die Türen wurden plombiert. Die Fahrt ging quer durch das vom Weltkrieg verwüstete Land bis nach Sankt Petersburg.

MIT TINTE. Lenin war damals 47. Viel von dem, was nach seinem gelungenen Staatsstreich im folgenden Oktober (nach julianischem Kalender) als Regierungsprogramm von den siegreichen Revolutionären umgesetzt wurde, hatte er bereits ab 1903 in seinem Genfer Exil erarbeitet. Und zwar an einem ganz unerwarteten Ort: in den vornehmen Räumen eines Palais in der Genfer Altstadt. Dort residiert bis heute die «Société de Lecture», eine 1818 von kultivierten Genfer Aristokraten gegründete Bibliothek. Heute wird sie geleitet von der eleganten, klugen Delphine de Candolle.
In einem gesonderten, brandgeschützten Raum im zweiten Stock liegen historische Schätze. Lenin sass jahrelang acht Stunden am Tag in der Bibliothek. Er hielt sich nie an das Reglement. In kräftiger lateinischer Schrift schrieb er – mit Tinte! – seine eigenen Kommentare an den Rand der Buchseiten. Oft sind diese Kommentare hochinteressant. Ein Beispiel: Im Essay «Das Leben Jesu» des französischen Religionswissenschafters Ernest Renan steht: «Jesus ist in die Welt gekommen, um Macht und Reichtum zu vernichten, nicht um sich ihrer zu bemächtigen.» An den Rand schrieb Lenin: «Hier ist der wahrhaftige Sozialismus.»

DIE WARNUNG. Lenin erlitt seinen ersten Hirnschlag 1922. Müde und abgekämpft sass er im Rollstuhl. Er konnte kaum noch sprechen. Aber denken, analysieren konnte er noch. Nadeschda Krupskaja las seine Gedanken von den zitternden Lippen und trug sie ins Zentralkomitee. Lenin warnte seine Genossinnen und Genossen vor dem aufbrausenden, unberechenbaren Temperament des erst spät ins Zentralkomitee gewählten jungen Georgiers Josef Stalin. Dessen grausamer Charakter beunruhigte den kranken Mann. 1924 erlitt er einen zweiten Hirnschlag. Lenin starb. Stalin beerbte ihn … und liess nach und nach die alten Gefährten Lenins ermorden, insbesondere jene des Schweizer Exils.
Die paar Dutzend Frauen und Männer, die von der einst hoffnungsvollen Schweizer Linken heute noch übriggeblieben sind, wollen die russische Revolution im November feiern. Sie sollten das im April tun. Und eines Mannes gedenken, der einer der brillantesten politischen Theoretiker und Philosophen des 20. Jahrhunderts war.


Jean Ziegler ist Soziologe, Vizepräsident des beratenden Ausschusses des Uno-Menschenrechtsrates und Autor. Sein neuestes Buch, «Der schmale Grat der Hoffnung», ist im März 2017 auf deutsch erschienen.

 
Powered by CMSimpleRealBlog


 

weiter zu:

Brasilien: Frauen besetzen Nestlé-Hauptquartier

600 Frauen haben am 20. März den Hauptsitz von Nestlé im brasilianischen São Lourenço besetzt. Die Aktivistinnen der Landlosenbewegung MST protestierten gegen die Privatisierung von Wasser.

EU-Parlament ehrt Rechtsextreme aus Venezuela

Das EU-Parlament verleiht den diesjährigen "Sacharow-Preis für geistige Freiheit" an Vertreter der venezolanischen Opposition und ehrt dabei auch wegen Gewalttaten und deren Förderung verurteilte Rechtsextremisten.

Zum Erhalt der Siemens-Standorte:

Turboverdichterwerk Leipzig: www.openpetition.de/!siemensleipzig

Mord an Links-Politikerin in Brasilien

In der Nacht vom 13. auf 14. März 2018 sind in Rio de Janeiro die lokale Abgeordnete der Sozialistischen Partei (PSOL), Marielle Franco, und ihr Fahrer im Dienstwagen erschossen worden.

Lynchmorde der Opposition in Venezuela

Ein Großteil der Toten während der Proteste dieses Jahr gehen auf das Konto der Opposition. Bei zahlreichen Opfern handelte es sich um Unbeteiligte, Anhänger des Regierungslagers und Polizisten; unter den Toten sind auch Oppositionelle, die beim Bombenbau ums Leben kamen.

Termine für den Zeitraum April 2018 bis November 2018

Powered by CMSimple| Template: ge-webdesign.de| html| css| Login